Noch immer sehe ich als häufige Suchphrase: „Was tun nach einem Fressanfall?“ Ich habe schon einmal darüber geschrieben — aus dem Hier und Jetzt.
Heute fällt mir die spontane Antwort ein: Zähne putzen, mir verzeihen und schlafen gehen. Aber vielleicht lieber Kaugummi kauen, da die Zähne durch die Magensäure angegriffen sind. Kaugummi ist sanfter.
Wie komme ich auf diese Antwort? Soeben fragte ich mich, wie ich das früher wirklich gemacht habe — und schaute in meinem (noch nicht erschienenen) Buch nach. Da fand ich eine passende Passage und will es mit euch teilen. Das war von einem Rückfall während der ersten Erholungsphase, 1983, als ich einige Wochen — sogar Monate! — kotzfrei war:
„Absturz in die Tiefe. Je mehr ich kämpfe, umso tiefer falle ich. Der heutige Abend war beschissen. Durch gehässige Dunkelheit geblendet, suche ich verzweifelt nach der einfachen Schönheit des Tages, einhergehend mit einem Hauch der Erneuerung. Dieselbe altbekannte Einsamkeit, die ich schon erwähnt habe, aber Wochen der Abstinenz machen sie intensiver. Und ich versuchte, zu fliehen. Gott, bitte verzeih mir! Hilf mir! Bitte erlöse mich von Selbsthass. Die Welt geht nicht unter, aber es entsteht der verzerrte Wunsch nach kompletter Zerstörung, um all das zu vernichten, was ich in letzter Zeit durch Abstinenz aufgebaut habe.
Doch, das ist auch eine Herausforderung. Will ich weiter jammern – oder habe ich den Mut, meinen Stolz abzulegen, und weiter zu machen? Kann ich zum Weg zurückkehren, obwohl ich kein perfektes Zeugnis habe? Ist das wichtig? Schau lieber auf die Fortschritte der letzten Monate. Du bist so weit gekommen – statt um verlorene Jahre weinst du jetzt nur um einzelne verlorene Tage. Das ist ein Fortschritt. Das Gedächtnis kehrt zurück. Trotz der momentanen Verwirrung besteht eine neue Klarheit im Kopf. Jetzt kannst du dich in weitere Zerstörung begeben, oder du kannst weiter gehen. Die Wahl bleibt dir überlassen.
Liebe Welt! Liebe Celia! Bitte verzeih dir! Jetzt ist es so weit – ich sitze hier und schreibe an mich selbst. Nur ich kann mich trösten, denn nur ich kenne die Qual und das Leiden. Die Tränen kommen schon. Ich bin allein. Zu stolz um die Hände nach Hilfe auszustrecken. Es muss mir klar sein, dass ich Alles in nur einer Woche zerstören kann. Der heutige Tag war mittelmäßig, doch habe ich $30 verschwendet. Sei nett, wasche jetzt dein schmutziges Gesicht, putze die dreckigen Zähne, und geh ins Bett.
Leider muss ich wieder mit ansehen, wie leicht man in alte Muster zurückfallen kann. Vor zwei Nächten habe ich mich belogen. Ich meinte, ich könnte es nur ein Mal machen (kotzen). Das war spätabends. Am nächsten Tag war ich verloren. Heute habe ich gebetet, und schaffte es bis zum Abend. Die Gefahr scheint in zu viel Zufriedenheit zu schlummern. Wenn ich eine neue Ebene erreiche, will ich daran festhalten. Aber das ist unmöglich. Die Herausforderung ist, weiter zu machen, den Frieden und die Gelassenheit zu genießen, aber trotzdem wach zu bleiben. Man muss immer vorwärts gehen. Stehen zu bleiben ist das gleiche wie rückwärts zu gehen. Es fällt mir so schwer, mir selbst zu verzeihen. So viele Zweifel kommen mit voller Wucht zurück. Besonders die Angst, dass die Welt über mich lacht, dass sie mich nur toleriert. In Wahrheit bin ich diejenige, die mich kaum toleriert und mich voller Gemeinheit auslacht. Möglicherweise machen es andere auch, aber es ist mein innerer Hass, mit dem ich fertig werden muss.
Oh! Anruf um 3 Uhr. Nettes Gespräch mit Mom. Ich sagte ihr alles und fragte, ob sie jetzt von mir enttäuscht sei. Nein, sie liebt mich trotzdem, und hat nur Mitgefühl.“
Auch dann dachte ich eher an die anderen. Ich wollte sie nicht enttäuschen. Dabei ging es nur um mich. Sie waren nie durch meine Rückfälle enttäuscht. Nur traurig — meinetwegen.
Gib nicht auf! Die letzten Tage liefen nicht gut, das lässt sich nicht ändern. Wir müssen nicht immer stark sein. Schau nach vorne, nicht zurück!
Alles Liebe
Anhora
Danke! Es geht schon besser. Sogar diese äußerst anstrengende Woche, vor der ich mich (fast) gefürchtet habe, läuft schon ganz gut. Ich kann es kaum fassen, dass morgen schon Donnerstag ist!
Ich nahm mir vor, diese Tage bewusst zu erleben anstatt jeden Tag als „erledigt“ bzw. „ertragen“ abzuhacken, und siehe da — ich genieße sie sogar!