Heute Abend wollte ich nur chillen und mich auf das Wochenende vorbereiten. Es war viel los diese Woche, und ich darf das ganze Wochenende arbeiten. Ja, heutzutage muss man “darf” sagen, denn Arbeit ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr.
Am späten Abend rief mein Sohn an. Er ist grippig und wollte wissen, wo die hömeopathische Grippeglobuli sind. Natürlich sind sie bei mir und er ist bei seinem Vater. Ich überlegte, sie morgen früh vor der Arbeit vorbei zu bringen. Aber dann wäre es womöglich schon zu spät. Also fuhr ich hin.
Das ist die dunkle Seite von Trennung — wenn mein Kind erkrankt und nicht bei mir ist. Ich fuhr in die dunkle Nacht hinein. Es regnete und war zum Teil nebelig — genaus das Richtige zum Nachdenken.
Auf dem Schrank im Eingang fand ich einen Brief an mich — ohne Absender. Es war die Todesnachricht von einer Person, die mich sehr beeinflusst hat. Sie hat ihren jahrenlangen Kampf gegen Krebs verloren. Noch vor ein paar Monaten hatte ich ihr geschrieben, aber bekam keine Antwort. Heute habe ich die Antwort erhalten.
Gerade erhielt ich einen Anruf. Mein Sohn hat 38.7° Fieber. Also gab ich einen Tipp (Essigpatscherl) übers Telefon. Ich muss es meinem Mann überlassen, ihn zu pflegen. Aber ich kann morgen Abend nach der Arbeit vorbei schauen. Auch das gehört zum neuen Leben dazu.