Heute habe ich schon etwas für mein Projekt getan, also erlaube ich mir jetzt eine Pause. Bei der Ausbildung geht es um Seminarplanung und -leitung. Ein Seminar ist unterteilt in drei Phasen: Anfangsphase, Hauptphase und Schlussphase. Und weil ich in Geburtstagsstimmung bin (siehe unten), kam mir eine Querverbindung.
Wir lernen, dass diese drei Phasen jeweils ein Drittel der gegebenen Zeit brauchen. So dachte ich mir: Mein Leben ist wie ein Seminar. Die ersten 13 Jahre waren die Anfangsphase. Da war der Einstieg und die Vorbereitung. Die mittleren 13 Jahre waren durch die Esstörung geprägt, also die Hauptphase, die mit Genesungsbeginn endete. Die nächsten 13 Jahre waren die Schlussphase: Was habe ich gelernt? Was kann ich mitnehmen für das weitere Leben?
Ich würde sagen, obiges Seminar war: „Wie werde ich mit einer unerträglichen, mich überfordernder Lebenssituation fertig?“
Nach der Schlussphase, gab es wahrscheinlich eine Verdauungspause, in der ich viel von dem Seminarinhalt begriff und umsetze. Tja, und jetzt bin ich noch immer dabei, das, was ich gelernt habe, anzuwenden. Viele Jahre zerrte ich an dem Erfolg der Genesung. Aber das war nicht genug. Das Leben sollte für sich stattfinden, nicht nur als kotzfreier Tag gefeiert werden.
Ich glaube diese Pause war zugleich die Anfangsphase für das Nachfolgeseminar: „Wie gestalte ich mein Leben, damit es zu mir passt?“ Das ist typisch: Kaum habe ich etwas fertig, bin ich schon beim nächsten Ding dabei!
Heute habe ich das Gefühl, endlich in dem Leben zu sein, das meins ist — also mitten in einer Hauptphase. Ich lerne und erkenne jetzt, was alles dazu gehört. Es ist immer und alles ein Prozess. In einem, fünf und zehn Jahren werde ich neue bzw. andere Erkenntnisse und Einsichten haben. Für jetzt kann ich sagen: Es bleibt spannend und es tut sich viel. Pause vorbei!