Ich habe schon lange nichts mehr über das Drama der Haare geschrieben — weil es kein Drama mehr ist. Im Gegenteil, mein Kopf (bzw. mein Leben) gehört mir! Das habe ich schon immer geahnt, aber lange Zeit war ich in dem “people-pleasing” (Gefälligkeitszwang) Modus gefangen.
Zuerst kam der Protest: so kurze Haare wie möglich. Dadurch hatte ich das Gefühl, meine Energie bei mir zu haben. Sonst wäre sie mit den langen Haaren im Winde verweht und darunter wäre das kleine Mädchen, das gefallen und geliebt werden möchte, versteckt geblieben. Die Zeiten sind vorbei!
Jetzt lasse ich sie wieder ein bisschen wachsen. Ich werde schon herausfinden, wie ich mich am wohlsten fühle. Es ist vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber wie ich die Haare trage und weshalb ist doch sehr aussagekräftig, und trägt zum Wohlbefinden bei.
Immerhin, über den eigenen Kopf und das Haar zu bestimmen, war ein erster Schritt. Gestern hatte ich Gelegenheit, ein paar meiner Lieder vorzustellen. Es war eine “offene Bühne” für Singer/Songwriter. Anfangs war ich leicht schüchtern und beeindruckt vom Können der anderen. Bei den ersten paar Liedern versagte meine Stimme. Aber dann wurde ich warm und traute mich doch, es einfach zu geniessen. Siehe da, die Stimme kam zurück!
Es war ein netter Abend. Meinem Ruf entsprechend, war ich unten den letzten, die sich auf dem Nach-Hause-Weg machten. Da ich alleine dort war, hatte ich die Gelegenheit, mich mit den anderen zu unterhalten. Das ist immer gut. Wenn ich mit einer Freundin wohin gehe, ist es auch nett aber einfach anders. Alleine bin ich gefordert, nach Außen zu gehen. Das brauche ich im Moment.
Bis zum Schluß habe ich mich bestens unterhalten. Und nach meinem Auftritt bekam ich ermutigende Rückmeldungen. Das tut immer gut, besonders von Leuten die mich nicht kennen! Nächstes Mal werde ich beim ersten Lied bestimmt etwas sicherer sein und weniger nervös. Hoffe ich, zumindest. Aufregend ist es immer.
Als ich um 2 Uhr ins Bett fiel, kam ein zufriedenes Seufzer hoch. Ach, wie schön, fort zu gehen, mich zu amüsieren, und nach Hause zu gehen, ohne schlechtes Gewissen! Ich muss einfach sagen, ich genieße diese Selbstbestimmung sehr und wundere mich, wie ich es so lange zulassen konnte, dass ein anderer über mich bestimmt. Wohlgemerkt, es war meine Entscheidung. Denn nur ich kann bestimmen, wer über mich bestimmt! Ob er es wollte oder nicht, ich habe jemandem diese Macht gegeben. Zum Glück ist es möglich, die Macht wieder zu entziehen — auch wenn es mit etwas Mühe verbunden ist.
Hast du Probleme mit den Haare oder ist es mitlerweile kein Problem mehr.
War bei der Dir der Drang die Haare kürzer zu schneiden auch sehr stark.
Bei mir wurde dieses als Zwang diagnostiziert.
Wie sieht es bei Dir aus. Welche Diagnose wurde bei Dir gestellt.
Gruß Tosca
Hallo Tosca,
Es war kein Zwang, aber ich hatte einfach das Gefühl, mein Haar gehörte nicht mir. Ich hörte zu sehr auf die anderen, was sie meinten, für mich gut wäre. Es war mir wichtig, herum zu experimentieren und heraus zu finden, was mir am besten gefällt — unabhängig von den anderen. Das war sehr befreiend. Ich hatte das Haar eine Zeitlang recht kurz, aber im Moment lasse ich sie wieder wachsen. Es ist gut zu überlegen, was das Haar für dich bedeutet, denn es ist auch ein Teil von dir.
Alles Liebe, Celia
Ich bin nur über die “neusten Kommentare” auf diesen älteren Eintrag von dir gestoßen, aber wenn ich so drüber nachdenke spielt die Frisur bei mir auch eine erhebliche Rolle. Als die Haare bis über die Schultern gingen war ich unsicher und habe mich versteckt. Dann schnitt ich sie und ging aus mir heraus. Ich färbte und schnitt und lockte danach und diese Zeit würde ich jetzt im Nachhinein als Absturz beschreiben. Nun fallen meine Haare wieder lang und vielleicht verstecke ich mich wirklich wieder. Deine Einträge bringen mich immer zum Nachdenken. Danke.
Auch ein großes Lob für deinen Mut auf die Bühne zu gehen. Ich würde gerne mal ein Lied von dir hören.
Liebste Grüße, henrietty