Ich bin gerade überrascht, dass ich so lange nichts geschrieben habe. Zuletzt hatte ich einen Schlaftag. In der Zwischenzeit war ich einfach sprachlos.
Meine Tochter hat ohne mein Erlaubnis ein Zungenpiercing machen lassen. Sie hat mich gefragt und ich sagte Nein. Das war aus dem Bauch heraus. Dann schaute ich im Internet nach. Ich dachte: “Vielleicht bin ich wirklich altmodisch.” Aber die damit verbundenen Risiken drehten mir den Magen um. Also blieb es beim Nein.
Leider blieb es nicht bei der Ruhe. Meine Tochter versuchte unermüdlich mich umzustimmen — mit Druck und mehrmaligem Bitten. Zum Schluss wurde ich am Telefon leicht hysterisch, da sie auf dem Weg zum Piercing Studio war.
Es ist noch immer viel Spannung zwischen uns. Ich bin sehr bemüht, einen guten Umgang miteinander zu finden, aber da drehte ich einfach durch. Sie meinte, dass sie es deshalb doch machte. Sie war wütend auf mich.
Unser Weg ist recht steinig. Ich war früher nicht so konsequent, wie ich es sein hätte sollen. Das war der vermeintliche Ausgleich für die häusliche Spannungssituation. Und ich war so sehr mit meinen Sachen beschäftigt, dass ich oft den Weg des vermeintlich geringeren Widerstands wählte. Dumm gelaufen. Das ist bitter. Also hat sie sich noch nicht daran gewöhnt, dass ein “Nein” so bleibt.
So ein Mist! Zum Glück ist alles gut gelaufen, aber ich bin nicht begeistert und etwas unsicher. Soll ich darauf bestehen, dass sie es entfernen lässt? Ich muss noch Mal drüber schlafen. (Es ist gestern passiert.)
Manchmal bin ich der Meinung, dass es gut läuft und wir finden wieder zueinander — nach den vielen Enttäuschungen und seelischen Verletzungen. Ja, sie ist auch in der Pubertät, also ist es sowieso eine schwierige Zeit. Aber wie bei der Genesung von der Bulimie: Drei Schritte vorwärts, ein Schritt zurück. Das ist halt so.
Im Moment bin ich leicht überwältigt vom Leben, von den Herausforderungen — als Mutter, als Betreuerin bei der Arbeit, als Studentin (Ausbildung), und als Musikerin. Gestern Nachmittag war ich bei einer Tagung über Behinderung und Sexualität. In der Pause unterhielt ich mich mit einer Arbeitskollegin. Wir schwärmten von der Notwendigkeit der Krisen — daran wächst “man” ja. Aber der Wachstumsprozess tut verdammt weh!
hey,
ich wollte mit 17 auch unbedingt ein Zungenpiercing, und hab meine Mutter so lange bequatscht bis sie’s mir erlaubt hat, wenn das nicht geklappt hätte, hätt ich s halt mit 18 machen lassen.
die risiken sind eigentlich nicht so groß, wenn man bei der Nachsorge sorgfältig ist.
klar war es nicht in ordnung von ihr, es einfach machen zu lassen (hat sie sogar ne unterschrift gefälscht???), aber ich kann sie irgendwo auch verstehen. da sind halt die doofen, übervorsichtigen eltern, die einem jeden spaß verbieten. dabei ist man doch schon soooo erwachsen
ich glaube sie zu zwingen, das piercing rauszunehmen würde 1. nichts bringen und 2. noch weiter einen keil zwischen euch treiben. allerdings wäre es echt wichtig, dass ihr euch mal zusammensetzt und redet, dass du ihr nochmal erklärst wieso du das piercing nicht wolltest und dass du dich verletzt fühlst, dass sie dich einfach übergangen hat.
und wenn man als Tochter hört, dass die Mama einen trotzdem lieb hat, auch wenn man grade Mist gebaut hat, tut das auch ziemlich gut
Vielen Dank! Ich glaube, du hast Recht. Es geht mehr darum, dass wir darüber reden und dafür sorgen, dass wir uns besser verstehen, damit so etwas nicht wieder passiert. Es war eine schnelle Sache, die wir einfach mit mehr Ruhe angehen hätten sollen.
Ich war auch einmal 16 und habe alles besser gewusst. Ist natürlich klar, dass Eltern doof und überfürsorglich sein müssen! Es ist ein harter Job!