Dieses Thema wird mich noch eine Weile begleiten. Gestern war der letzte Schultag. Mein Sohn kam ohne Zeugnis nach Hause. Der Klassenvorstand war anscheinend unauffindbar! Mein Sohn konnte nicht lange warten, da er einen Zug erwischen musste. Also kam er mit leeren Händen nach Hause.
Ich holte ihn vom Bahnhof ab, da er noch etwas Klamotten brauchte für den Urlaub. Am Montag hatte ich gesagt, er soll packen und schauen, was er noch braucht. Donnerstagabend packte er, und gestern gingen wir schnell noch einkaufen. Es ging sich gut aus, und war eine gute Beschäftigung.
Als wir im Lebensmittelgeschäft waren, ihn eine Jause für die Zugfahrt kaufen, kämpfte ich schon mit den Emotionen. Seit Tagen denke ich dran, wie groß er ist, dass es sein erster großer Urlaub ohne mich ist. So ist das Leben.
Wir waren 20 Minuten vor der Abfahrt wieder am Bahnhof. Im Auto sagte er: „So, du kannst gehen. Tschüß.“ Ich sah ihn groß an: „Aber eine Fahrkarte könnten wir schon noch besorgen.“ Grins. „Ach, ja.“ Ich kaufte die Karte, dann sagte er: „Aber zum Bahnsteig musst nicht mitgehen. Du brauchst nicht mit mir warten.“ Oh, Schreck! Schluck! Da kamen mir doch noch die Tränen. Ich entschuldigte mich und meinte, es geht gleich wieder. Er sah mich entgeistert an und sagte: „Tu doch normal!“
Ich riss mich zusammen und umarmte ihn. Er mich auch. Und dann ließ ich ihn im Bahnhof zurück. Die Umarmung freute mich sehr. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein fast 15-jähriger junger Mann seine Mutter in aller Öffentlichkeit — am Bahnhof — umarmt.
Das Auto ließ ich dort stehen und ging eine Runde spazieren. Irgendwie tat es in meinem Herzen weh, obwohl ich so stolz auf ihn bin und mich freue, dass er selbständig ist. Er fährt 7 Stunden mit dem Zug zu seinem besten Freund, dann fahren sie gemeinsam (mit dessen Familie) zwei Wochen nach Kroatien. Anschließend ist er noch eine Woche bei seinem Freund zu Hause. Drei Wochen!!! Und zwei davon im Ausland!!
Du muss jede Mutter durch. Irgendwann kommt die Zeit, sie kann ihr Kind nicht mehr zur Seite stehen und es beschützen. Das Kind muss selbst auf sich schauen. Es wird erwachsen. Es ist mir alles zu schnell gegangen. Manchmal schaue ich meine Kinder an und denke: „Wo sind meine kleinen süßen Kinder?“ Irgendwie ist es unfassbar, auch wenn es die natürlichste Sache der Welt ist, dass Kinder erwachsen werden.
Ach, ich hab heut dieselben Gedanken. Dabei hab ich meinen Sohn nur ein paar Tage nicht gesehn, und er ist immerhin 20! Kinder muss man gehn lassen, und es ist kein gutes Zeichen, wenn sie zurück kommen. Aber es geschieht. Und dann: Sind wir wieder eine Weile für sie da, und müssen sie wieder gehn lassen. Zuviel Mutter tut ihnen nicht gut. Ich finds auch schlimm, aber so ist es nun mal.
Alles Gute,
Anhora
Ich kann nur eines dazu sagen: Amen!
Es ist ein Balanceakt. Irgendwie finde ich es aber gut, wenn sie nach Hause kommen können. Wir können nie wissen, was genau richtig ist. Wir können im Nachhinein immer sagen: „Das hätte ich besser machen können.“ Aber wir geben unser Bestes und das ist gut genug. Ich habe mit den Jahren Vertrauen gewonnen — Vertrauen, dass auch meine Kinder ihr Schicksal und ihre Bestimmung haben. Das beruhigt mich… manchmal.
Was für uns und unsere Kinder gilt, gilt fürs Leben allgemein: Wir können immer nur unser Möglichstes tun. Das was wozu wir mit unseren Fähigkeiten und Kenntnissen in der Lage sind. Fehler kommen immer und überall vor, und zwar dann, wenn wir es nicht besser wussten oder konnten. Wir setzten uns viel zu sehr unter Druck. Es ist wie du sagst: Es gibt ein Schicksal und Bestimmung.