In letzter Zeit bin ich einfach müde. Die Lebensumstände tragen ganz sicher etwas dazu bei, doch will ich es nicht wahrhaben. Stattdessen will ich weiterhin Vollgas geben, doch der Körper streikt. Die Erwartung schwingt mit, dass ein einziges Nickerchen wieder alles gut machen soll. Doch so spielt es nicht.
Gestern ist mir etwas eingefallen, was ich fast vergessen hatte. Ganz zu Beginn meiner Gesundung hatte das „Nicht Kotzen“ oberste Priorität. Alles war erlaubt, so lange ich das nicht tue. Es war eine gewisse Narrenfreiheit, die ich mir erlaubte. Ich denke, die ist wieder angebracht. Jetzt ist das Ziel, genügend Schlaf zu bekommen. Wie auch immer.
Die Müdigkeit verursacht eine gewisse Unruhe in mir. Ich bin nicht nur müde, sondern auch rastlos. Ich will weiter machen, aber schaffe es nicht in der Art und Weise, die mir passen würde. So kommt die Tendenz auf, einfach durchzumachen und zu warten, bis es besser wird. Aber es wird von selbst nicht besser.
Also habe ich gestern und heute den Vormittag verschlafen. Ich hatte Zeit. Die anstrengende Zeit ist vorläufig vorbei und ich darf mir eine Verschnaufpause gönnen. Auch wenn es viele andere Dinge gibt, die ich in meiner Freizeit tun möchte. Zuerst muss ich wieder zu kräften kommen.
Diese innere Unruhe kenne ich zu gut. Ich tue nichts, vertrödele die Zeit, und warte auf etwas Besseres. Wenn ich heute wieder nichts vorwärts bringe, dann möchte ich es mit Genuss und Zufriedenheit statt Frust erleben. Wieder einmal ist Loslassen angesagt. Ein paar faule Tage, an denen ich mir etwas Gutes tue, sind Gold wert.
Was meine ich mit Sonderstatus? Ich denke, wenn das oberste Ziel ist, sich nicht kaputt zu machen, sondern etwas Gutes für sich zu tun, dann ist ziemlich viel erlaubt. Als Essgestörte bin ich durch die Hölle gegangen — und der Weg zurück war auch nicht ohne. Dieses Leiden sehe ich als Guthaben. Ich darf es jetzt gut haben und mich verwöhnen — genau so, wie ich es mir vorstelle und wünsche. Es geht nur mich etwas an.
Eine Freundin erinnerte mich daran, dass es nach einer Beziehung auch noch emotionales Durcheinander gibt. Es geht nicht so von heute auf morgen. Ich stimmte ihr zu und dachte: Aber ich habe doch alles schon verarbeitet. Das stimmt nicht ganz. Es ist ein Prozess, das ich nicht 100% steuern kann. Es dauert einfach eine Weile, bis sich alles wieder setzt. Außerdem ist noch nicht alles ausgesprochen und geklärt. Jetzt haben wir eine Zwischenlösung, aber manche Fragen sind noch offen. Möglicherweise beschäftigt mich das, auch wenn ich der Meinung bin, es ist schon erledigt.
Wieder komme ich zu dem Schluß: Ich bin ein Mensch wie jeder andere. Ich muss meine Prozesse durchmachen, meine Erfahrungen sammeln. Ich habe schon viel erlebt und gelernt, aber ich bin noch lange nicht fertig!
Ich wünsche euch einen schönen Tag!