Vor ein paar Tagen fand ich einen Zettel, auf den ich im Jänner 2008 schrieb: “Ich werde mein Leben komplett neu gestalten. Wenn ich 1000 kleine Schritte mache, ca. einen Schritt pro Tag, dauert es ungefähr 2 Jahre und 7 Monate — bis Juli 2010. Das kommt mir vor wie eine Ewigkeit!”
Jetzt haben wir Anfang Mai 2009 und das Ziel ist großteils schon erreicht. Es waren kleine Schritte wie: mich nicht einschüchtern lassen, mich durchsetzen, zu mir selber stehen, mich anzunehmen wie ich bin. Manchmal ging es darum, nett zu mir selber zu sein: ins Kino gehen, tanzen gehen, lesen und schreiben. Oder ich achtete besser auf meine Gesundheit: ging ins Fitness Center, ging spazieren, ernährte mich mit gutem Essen. Es gab auch Tage, an denen richtige Sprünge passiert sind: wie der Tag, an dem meine zukünftige Vorgesetzte ganz zufällig bei einer guten Freundin von mir auf der Terrasse saß und sagte, dass sie eine Mitarbeiterin suchte. Inzwischen bin ich schon 8 Monate im Team dabei!
Viele Jahre lang wollte ich mein Leben ändern, aber etwas fehlte. Ich hatte Wunschvorstellungen aber keine Ziele. Erst als ich grobe Ziele definierte, begann der Weg zu Veränderung. Mittwoch bekam ich den Wohnungsschlüssel. Bis Donnerstag am Nachmittag putzte ich und räumte die Küche ein. Dann musste ich Schluss machen, da ich ein 4-tägiges Seminar besuchen wollte. Die KollegInnen waren überrascht, dass es mir so leicht fiel, die Wohnung zu verlassen. Inzwischen habe ich Geduld gelernt. Ich vertraue, dass alles seine Zeit hat und dass es gut ist — genau so wie es ist. Ich meinte, vielleicht war es gut, die Wohnung zu lassen und mich auf ganz etwas anderes zu konzentrieren.
Es war wie eine Auszeit von der momentanen Aufregung. Ich genoß es, mit den vertrauten KollegInnen zu reden, zu lachen, ein Gläschen Wein zu trinken und mich zu entspannen — obwohl wir auch viel zu arbeiten hatten! Morgen geht es weiter. Die Kinder gehen zur Schule und ich fahr mit dem Auto voller Bücher wieder in die Wohnung. Dort werde ich putzen und die Wohnung auf mich wirken lassen. Ich bin überzeugt, dass ich nach dieser Pause am Wochenende neue Ideen und Perspektiven haben werde, wie ich sie am besten einrichte. Ich freue mich schon sehr!
Das erinnert mich an die Gesundung. Lange Zeit hoffte ich auf eine Wunderheilung. Ich wollte von einem Tag auf den anderen gesund sein. Das passierte nicht. Irgendwann wurden mir meine langfristige Ziele bewusst und ich machte mich auf den Weg, unzählige kleinere Ziele zu erreichen. Ich fing damit an, nur das Frühstück behalten zu wollen. Dann wurde das Ziel, den Tag kotzfrei zu überstehen. Mit der Zeit wurde der Alltag bewältigbar. Dann ging es darum, Ausnahmezustände durchzustehen — sprich: Prüfungen. Anfangs war die Note völlig egal. Es ging nur darum, zu lernen und die Zeit vor der Prüfung kotzfrei zu überleben. Aus vielen solchen bewältigten Tagen und schwierigen Situationen wurden Wochen, Monate und schließlich viele Jahre. Es begann aber mit dem ersten kleinen Schritt.