Die Angst vor Veränderung ist viel schlimmer vorher. Wenn man mitten drin steckt, dann geht es oft besser, als mein erwartet hätte. Zumindest geht es mir so. Viele kleine Schritte und viel Umdenken — es brummt oft nur im Kopf — und im ganzen Körper. Ich habe das Gefühl, wenn es in mir halbwegs zu Ruhe kommt, werden die physischen Manifestationen fast selbstverständlich folgen.
Meine Kinder wissen von der bevorstehenden Auszeit. Meine Tochter freut sich. Sie blüht auf, liest Zeitungsannoncen für Wohnungen, und hat schon Ideen, wie wir sie einrichten könnten. Meinem Sohn habe ich es erst gesagt. Er ist überhaupt nicht begeistert. Mein erster Gedanke war: “Oh, ich glaube, ich sollte es lieber lassen. Wenn er nicht mitgeht, will ich auch nicht gehen.” Aber ich muss ihm einfach Zeit lassen. Er war ziemlich überrascht. Ich habe ihn versichert, dass wir dafür sorgen werden, dass es allen gut geht. Es ist eine Auszeit im Moment und keine Scheidung. Es wird auch kein Krieg ausbrechen mit furchtbaren Streitereien. Das wird er schon merken.
Da es häufig vorkommt, dass Bulimiekranken und Magersüchtigen eine Autoritätsperson zum Partner aussuchen, fragte ich mich schon, ob es nur meine Schuld ist. Aber es braucht immer zwei dazu! Früher habe ich gemotzt, mich bei Freundinnen ausgeweint, viel ins Tagebuch geschrieben, aber beim ersten Widerstand bin ich sofort in Rückzug gegangen. Das ändert sich jetzt. Ich möchte erst dann aus diese Beziehung gehen, nachdem ich gelernt habe, mitzureden ohne mich einschüchtern zu lassen. Mal sehen, wohin das uns beiden führt. Ich denke, mein Mann hat ja auch seine Themen, auch wenn er sie nicht so bewusst anschauen will wie ich es mir vornehme.
Komischerweise reden wir mehr als sonst. Bin ich durch die bevorstehende Trennung entspannter? Traue ich mich einfach mehr als sonst? Ist ja nicht wichtig. Ich bin im Prozess und werde erst dann sehen, wo er hinführt, wenn ich angekommen bin — oder zumindest Zwischenstation erreiche, was auch immer die sein wird. Ich bin mir nicht sicher, wohin der Weg führt und wie ich gehen soll. Ich habe vertrauen. Ich bete, dass meine höhere Macht mich führt und mir die Kraft gibt, es durchzustehen. Aber, wenn ich so nachdenke, das war schon immer so! Also doch nichts Neues! Nur eine andere Variante vom Leben! Das schaffe ich doch auch!
Ja, es brodelt in mir. Tausend Fragen kommen hoch. Na ja, nicht Tausend, aber doch einige Fragen! Unsicherheit taucht immer wieder auf. Dennoch spüre ich, dass es höchste Zeit ist: für eine Veränderung. Ich bin gespannt auf das, was noch kommt. Die lezte große Veränderung war die Gesunding. Das kann doch nicht alles gewesen sein!
Viele Jahre war ich frustriert und unzufrieden. Ich hoffte auf eine magische Lösung, damit alles wieder gut wird. Die kam nie. Sie kommt auch nicht. Ich muss etwas tun. Heute. Jetzt. Pablo Picasso sagte einst: “Verschiebe nur auf morgen, was du willens bist, ungetan gelassen zu haben, wenn du stirbst.”
Du Liebe, das sind starke Worte…
Ich fühle mich sehr berührt… nicht nur, weil ich selbst einmal Bulimie hatte und weiß, wovon du sprichst… Das Krankheitsbild ist bei mir zwar schnell wieder verschwunden, aber die seelischen Voraussetzungen sind immer noch da…
Immer wieder bin ich mit Männern zusammen, mit denen es nicht funktionieren kann – jetzt schon gar nicht, wo ich an Stärke gewinne, auch ich hab eine Trennung hinter mir bzw. bin mitten drin… Und weiß nicht, wie es weiter geht, weil ich mir nichts sehnlicher wünsche, als eigene Kinder zu haben… Ich lasse alles los – weggehen wäre eine gute Idee, ich suche bereits nach Stellenangeboten im Ausland… Das ist kein Weglaufen, sondern der Beweis dafür, dass ich alleine sein kann, dass ich stark genug bin…
Ich wünsche dir alles, alles Gute, du gehst deinen Weg sehr mutig!
Alles Liebe für dich von Elisabeth
Liebe Elisabeth,
Du musst niemandem irgendetwas beweisen. Ob du im Ausland oder hier bist, du bist eine starke, mutige, optimistische Frau. Gerade was Beziehung betrifft, sind wir irgendwie geschädigt, aber auch das kann gelernt werden. Hab Vertrauen. Wenn du im Ausland sein willst, dann gehe. Wenn du hier etwas hast, was dich glücklich macht, dann bleibe. In den letzten Tagen ist mir etwas ganz klar geworden. Seit Jahren meinte ich, ich will wieder nach Hause ziehen — in die USA. Die Vorstellung, hier eine eigene Wohnung zu suchen, ist mir nie eingefallen. Jetzt, wo ich das gemacht habe, merke ich, dass die Sehnsucht nach USA nicht mehr so stark ist. Ich wollte einfach ein Zuhause, wo ich mich wohl fühle. Dieses Zuhause kann ich selbst erschaffen, egal wo ich bin. Du bist stark genug. Du bist in Ordnung und wunderbar, genau so wie du bist. Hab Vertrauen in dein Leben und in dir selbst. Es wird alles gut.
Liebe Celia,
danke dir für deine lieben Worte!!! Weißt du, ich weiß das alles, bin aber erst dabei zu lernen, das auch zu leben – zu lange Zeit war ich bedürftig (unbewusst) und abhängig (ebenso unbewusst) – durch meine Therapie wurde es mir bewusst. Ich will es mir selbst beweisen, aber du hast recht – deine Zeilen haben mich zum Nachdenken gebracht, dass ich diesen Perfektionismus ablegen sollte, denn alles, was ist, ist gut genug. Und du hast auch recht damit, dass es vielleicht sogar besser ist, zu bleiben, weil ich hier meine Wurzeln und auch liebe Freunde habe – wenn ich woanders hingehe, bin ich wirklich ganz alleine, und ob ich das durchstehe…
Es tut so gut, deine Zeilen zu lesen – ich bin immerzu für andere da, es ist an der zeit, auch auf mich selbst zu achten…
Fühl dich ganz lieb umarmt und pass auch du gut auf dich auf!
Herz-lichst Elisabeth
Liebe Elisabeth,
Den Perfektionismus kenne ich auch. Es ist eine Wohltat, ihn abzulegen, aber er schleicht sich immer wieder ein. Dennoch: ich gebe nicht und niemals auf! Ich bin so wie ich bin und ich nehme mich an, wie ich bin.
ich habe schon so viel gelernt, erfahren, kapiert … und merke immer wieder, dass ich genauso erst dabei bin, zu lernen. Es hört nie auf. Wir lernen in unserem speziellen, individuellen Tempo — ich glaube es dauert das ganze Leben. Gönn dir selber die lieben Freunde und lerne weiter, genau dort, wo du bist. Wenn es dich unbedingt ins Ausland zieht, wirst du schon dort landen. Aber ich kann für mich sprechen — ich bin vor 23 Jahren ins Ausland, war sehr alleine. Ja, ich habe es durchgestanden, ja, es hat auch tolle “Nebenwirkungen” gegeben, aber im Nachhinein wäre ich nie so schnell hierher gekommen. Ich hätte mir mehr Zeit gegönnt, mein Leben aufzubauen. Manchmal ist der Beweis, dass wir es trotz fast unmöglichen Bedingungen schaffen können, nicht der Mühe Wert. Ich weiß eh, dass du alles schaffen kannst, was du dir vornimmst. Das reicht doch!