In den vergangenen 3 Wochen war ich dreimal im Kino! Das letzte Mal als ich so oft im Kino war… lebte ich alleine (na ja, die Magersuchtsbulimie leistete mir noch Gesellschaft) in Manhattan! Damals ging ich oft ins Kino: um mich zu vergessen, um die Wohnung zu meiden, um einen Fressanfall zu verhindern, oder nur um Spaß zu haben. Ich ging schon immer gern ins Kino.
In den vergangenen 23 Jahren bin ich selten ins Kino gegangen — manchmal sogar jahrelang überhaupt nicht. Warum? Ganz einfach: ER hatte keine Lust. Also ließ ich es sein und lernte, stattdessen zu jammern und mein Selbstmitleid zu pflegen.
Warum ist es jetzt anders? Na ja, ein Kino bringt jetzt eine Filmreihe mit Schwerpunkt Psychologie. Ich habe Psychologie studiert aber verlor das Interesse weil ich Rocksängerin sein wollte, aber da ich Momentan einen Job habe der mehr mit Psychologie als mit Rockstarsein zu tun hat, ist mein Interesse neu erweckt. Vielleicht war ich nach dem langen Studium einfach ausgepowert und brauchte eine Pause? Diejenige, die meine Posts kennen, wissen was kommt: Ist doch egal “warum”. Wichtig ist nur, dass das Interesse wieder vorhanden ist.
So schnell gewöhnt man sich, abends fort zu gehen. Bis jetzt bin ich abends nur zum Yogakurs oder zum Nachtdienst “aus” gegangen. Ein paar Mal ins Kino, und schon will ich wieder ausgehen! Freitag verbrachte ich gemütlich zuhause. Ein ruhiger Abend tut gut. Aber gestern wollte ich etwas unternehmen. Ich fand gleich etwas in der Zeitung, aber es war zu spät zu reservieren. Ich war mir sicher, es wird ausverkauft sein. Egal. Ich beschloss, hinzufahren. Wenn ich keine Karte bekommen sollte, dann würde ich dort etwas trinken oder nebenan ins Kino gehen.
Ich wäre gerne mit jemandem hingegangen, aber wusste: ER hat keine Lust. (Und wenn ich ehrlich bin, ich wollte den Abend nicht mit ihm verbringen.) Die Freundinnen hatten schon etwas vor. So fiel mir der Spruch ein, den ich einst bei Overeaters Anonymous gehört hatte: “Wenn du gesund werden willst, tu als ob du jetzt schon gesund bist.” Noch wohnen wir zusammen, und noch schaffe ich es nicht, den Wunsch auf eine eigene Wohnung anzukündigen. Aber ich kann durchaus üben, so tun als wären wir schon getrennt. Denn ich werde bestimmt viel ausgehen wenn ich alleine bin. Ich will meinen kulturellen Nachholbedarf stillen. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt zu beginnen!
Es gab noch ein paar Restkarten. Da die Saaltüren noch nicht offen waren, ging ich in das Lokal. Ich setzte mich mit einem weißen Spritzer an einen Tisch und schrieb einen lang überfälligen Brief. Da ich ein bisschen schüchtern drauf war, schaffte ich es nicht, in Ruhe etwas zu trinken und die Menschen zu beobachten. Also konzentrierte ich mich auf das Schreiben.
Das Konzert war wirklich wunderbar — eine Mischung aus Jazz, Rock und Soul. Perfekt. Öfters schloss ich meine Augen und ließ die Musikwellen auf mich einwirken. Es war wunderbar. Nachher bestellte ich noch einen Durstlöscher und wagte es, mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Es war überhaupt nicht schwer – einige Leute waren alleine dort. Als mein Glas leer war, verabschiedete ich mich und fuhr nach Hause. Es war ein gelungener, netter Abend.