Obwohl es außer Frage steht, dass ich schon seit 46 Jahren auf dem Weg bin, spüre ich momentan starke Veränderungen. Es tut sich was! In letzter Zeit habe ich kaum geschrieben, da mir einfach nichts einfiel, bzw. ich war zu unkonzentriert. Jetzt ist eine Zeit, in der ich einfach loslasse, wahrnehme und spüre. Ich konnte es nicht mitteilen.
Seit dem “Gespräch” mit meinem Mann zwischen Weihnachten und Silvester hat sich nicht viel getan — nach außen hin. Aber in mir spüre ich, dass ich viel mehr Kraft habe als ich vermutete. Ich habe auch viel mehr zum sagen als ich dachte. Also sieht alles für Außenstehende gleich aus, aber es brodelt in mir. Veränderung ist möglich, findet statt, und macht sich bemerkbar.
Das Kribbeln erinnert mich an die Zeit, als ich mich von der Bulimie erholte. Energie strömt durch meinen Körper und es ist als ob alte, feste Gedanken und Verhaltensmuster sich auflösen und neu strukturieren. Ich glaube fest daran, dass alles in meinen Zellen gespeichert ist — nicht nur physiologische sondern auch psychologische Eigenschaften. Diese sind jetzt in Bewegung und ich spüre es.
Es hat sich wieder Mal einen Zufall ergeben. Letzte Woche dachte ich mir: “Ich werde nicht sehr lange bei dieser Arbeit bleiben. Mir schwebt etwas anderes vor. Dazu brauche ich aber eine Weiterbildung. Also mache ich mich auf die Suche.” Ich kam nicht dazu. Statt dessen war ich bei einer Freundin Kaffee trinken. Sie hatte gerade ihren Mann abgeholt. Er war bei einem Wochenendseminar und erzählte davon. Meine Freundin hatte den Kurs schon gemacht, jetzt ist ihr Mann daran. Es dauert 3 Jahre und umfasst sowohl wichtige Themen wie Familie, Beziehung, Sexualität, Sterben und Suchtproblematik, wie auch persönliche Dinge wie Kommunikation, Selbst-Wert und Konfliktmanagement. Es klingt wie für mich geschaffen!
Ich wollte am liebsten gleich etwas beginnen. Der Herbst ist noch so weit weg, und ich bleibe (voraussichtlich) maximal noch vier Jahre in diesem Land. Wir schauten gleich auf die Homepage – der nächste Lehrgang beginnt im Februar, der Anmeldefrist lief genau an dem Tag ab. Ich rief an: ein Platz war noch frei. Also machte ich mit dem Leiter gleich einen Termin aus für ein Interview. Das Interview hat inzwischen schon stattgefunden und ich wurde angenommen. Ich freue mich sehr. Ich muss schon sagen, das Leben und seine Zufälle verblüffen mich immer wieder.
Also war es mir nicht danach zu schreiben, denn es gibt einfach viel Neues, das ich noch verarbeiten muss. Aber heute möchte ich wieder mal von mir hören lassen. Manchmal sind ruhige Zeiten notwendig, damit die Geschehnisse sich einordnen können. Es ist doch eine Umstellung — sogar noch vor Unterrichtsbeginn! Auf die Frage, was ich dann als Abschluss “habe”, konnte ich nicht so genau Auskunft geben. Das ist mir im Moment nicht so wichtig. Es geht mir vielmehr um den Inhalt und die einhergehende Bereicherung. Wenn ich fertig bin, werde ich schon sehen, was ich damit mache. Ich bin mir sicher, genau so wie ich zu diesem Lehrgang “geführt” wurde, werde sich der nächste Schritt ebenfalls zeigen.
Es freut mich sehr, wie sich alles entwickelt. In letzter Zeit merke ich, dass ich beruflich neue Vorstellungen bzw. Ziele habe. Doch hätte ich nicht zu arbeiten begonnen, hätte sich diese Perspektive gar nicht erst aufgetan. Erst durch die Arbeit gewann ich Vertrauen in meinem Können. Ich traue es mir zu, einen Job gut zu machen. Ich traue es mir zu, eine neue Ausbildung zu machen. Ich traue es mir zu, mir beruflich etwas vorzustellen und mich an die Arbeit zu machen, dieses Ziel zu erreichen. Wie immer, bin ich dankbar für die Menschen, denen ich unterwegs begegne und die mich dabei unterstützen.
Ich lasse los und habe Vertrauen in die Zukunft. Es sind Tausend kleine Schritte notwendig, bevor ich mein selbstausgesuchtes Ziel erreiche. Einige habe ich schon hinter mir. Es folgen noch ganz viele und ich habe keine Ahnung, was inzwischen noch passieren wird. Ich weiß auch nicht, ob mein Ziel dadurch umgeändert wird. Das ist heute nicht meine Sorge. Heute mache ich einfach die nötige Arbeit, um weiter zu gehen.