Wer hat mit diesem Quatsch angefangen? Ich weiß noch, zu Beginn unserer Beziehung, hat mein Freund auch so etwas Ähnliches gesagt. “Du bist zu gut für mich.” Hätte ich nur auf ihn gehört! Sonst habe ich ihm immer geglaubt. Manchmal hatte ich sogar Zweifel, aber ich überließ es ihm, Recht zu haben. Stattdessen kam damals mein gutes Herz in Aktion und sagte: “Ach, was! Jeder bekommt das, was er verdient.” Dazu lächelte ich ganz lieb.
Spaß bei Seite…denn ich bin ja nicht zu gut für ihn, aber wir passen trotzdem nicht zusammen. Es hat eigentlich nie gepasst, aber ich gab mir enorm Mühe, mich in die passende Form bzw. Rolle doch hinein zu quetschen. Es hat nicht geklappt. Aber mit meiner Geschichte wollte ich im Moment nicht kommen, sondern wirklich beim Thema bleiben.
“Ich verdiene dich nicht.” Das ist so ein Blödsinn! Ich denke, viele unglückliche Beziehungen basieren auf diesen Satz, egal in welcher Auslegung. Ich verdiene dich nicht, weil ich nur ein Stück Dreck bin, oder weil ich Besseres verdient habe. Es gibt eben unterschiedliche Interpretationen.
Auffallend ist, dass beide nicht gleichgestellt sind. Wenn zwei Menschen sich ebenbürtig fühlen, passiert so etwas nicht. Bei mir hat es fast ein halbes Leben gebraucht, bis ich etwas sehr Wesentliches kapiert habe: “Ich bin ein wertvoller Mensch. Es steht mir zu, glücklich zu sein. Ich verdiene es, gut und liebevoll behandelt zu werden. Wenn es in der Beziehung nicht klappt, liegt es nicht nur an mir.” Das sind wichtige Erkenntnisse, für die ich sehr dankbar bin. Wenn ich das früher erkannt und geglaubt hätte, dann wäre mir viel erspart geblieben.
Ich teile es deswegen mit, weil es mich traurig macht. Ich war damals schwach, krank, unsicher, mit einem geringen Selbstwert — wie es halt so ist, mit einer Essstörung. Das ist keine gute Voraussetzung für eine Beziehung. Ich war einfach dankbar, dass einer mich “lieben” konnte. Na gut, wenn ich nichts dazu gelernt hätte, wäre ich jetzt vielleicht noch glücklich und dankbar. Aber da würde ich immer noch kein gutes Bild von mir selbst haben. Das ist eben anders geworden.
Ich schreibe das in der Hoffnung, dass jemand in einer ähnlichen Situation diese Zeilen liest und darüber nachdenkt. Es würde mich sehr freuen, anderen dadurch helfen zu können, oder zumindest einen Umdenkprozess auszulösen. Wenn wir Menschen unsere Erfahrung miteinander teilen, so können viele davon profitieren. Das hat mir auch schon geholfen, zu erfahren wie andere damit umgehen.
Es war für mich eine harte Lektion. Jetzt habe ich das Gefühl, ich lebe selbst in einem Roman und warte noch auf die Wende zum Glück oder zumindest das Ende von diesem Kapitel. Ich hoffe sehr, dass es gut ausgeht. Ich gebe mein Bestes!