Das Thema des vorigen Artikels beschäftigt mich noch. Ich bin überzeugt: Es lohnt sich, weiter zu leben. In den vergangenen 20 Jahren, habe ich viel erlebt, das ich keinesfalls missen möchte. Ich bin gesund geworden und es hat sich unglaublich viel getan. Freunde habe ich auch. Das fehlte mir früher.
Vor einigen Tagen, hatte ich ein schönes, herzerwärmendes Erlebnis. Letzte Woche hatte eine Freundin angeboten, mein Buch (das Manuskript) Probe zu lesen. Sie kennt mich erst seit zehn Jahren, also “nur” als gesunde Frau. Als ich jung und essgestört war, zweifelte ich wirklich – am Leben und an mich selbst. Mein Selbstwert war im Keller. Ich will dieses Schreiben mit euch teilen, weil sie so schön zusammenfasst, was für eine Wandlung ich machte, und was für eine Wandlung und Heilung möglich sind. Ihre Worte zeigen auch, dass andere uns eher in einem besseren Licht sehen als wir uns selbst. Es ist wohltuend, liebe Freundinnen zu haben, und ihre Freundschaft offen annehmen zu können. Das schreibe ich heute – die Frau, die vor 25 Jahren als junge Frau nur vermutete, was Freundschaft sein könnte.
Damals schämte ich mich wegen meinem Verhalten und meiner vermeintlichen Schwäche. Heute empfinde ich eher Mitgefühl. Es war ein Albtraum, das schlimmste Kapitel meines Lebens. Gleichzeitig bewundere ich meine Stärke. Ich habe trotz allem überlebt. Mehr als nur überlebt: Ich habe gelernt, zu leben und das Leben zu lieben. Mehr sag ich nicht. Ich überlasse meiner Freundin das Wort.
Staunen – Verblüffung – Irritation – Zweifel – Fassungslosigkeit – Reflexion – Verbundenheit – Verständnis – Traurigkeit – Niedergeschlagenheit – Hilflosigkeit – Stolz – Dankbarkeit – Hoffnung – ….
Das sind sie, die ersten Eindrücke. Und mir, aus der ansonsten beim E-Mail-Schreiben die Worte nur so heraussprudeln – fehlen die Worte.
Ich bin noch nicht sehr weit mit dem Lesen — denn an manchen Tagen konnte ich mich einfach nicht aufraffen, weiter zu lesen. Es hat mich total tief bewegt. In vielem habe ich mich selbst wiedererkannt und brauchte eine Pause, um in mir selbst ein bisschen aufzuräumen, Abstand zu finden… und dann hat dein Buch wieder gelockt. Und ich musste lesen — bis tief in die Nacht. Und ich hab mit dir mitgelitten und mit den anderen Frauen, die dieses Kapitel in ihrem Leben mit dir teilen.
Und ich war so verblüfft und fassungslos. Ich kenne dich nur als lebensfrohe, offene, herzliche Person, die schnell Anschluss findet, viele Freunde hat. Die Freunde, die ich von dir kenne, vermitteln mir das Gefühl, sehr mit dir verbunden zu sein, nicht nur oberflächlich. Du warst für mich immer eine der hübschesten Frauen, die ich kenne, so natürlich und makellos.
Ich kann einfach nicht fassen, nicht begreifen, nicht verstehen wie du von dir selbst so ein negatives Bild haben konntest. Und gleichzeitig weiß ich, wie ich mit mir selbst vor dem Spiegel umgehe!
Man entwickelt eine Gnadenlosigkeit gegenüber sich selbst, die man anderen niemals aufbürden würde. Ich begreife, dass du nicht dein Äußeres gesehen hast, sondern dein Innerstes — und beim Lesen möchte ich dich rütteln und drücken und dir sagen, wie wundervoll du bist.
Wenn ich lese, dann wünsche ich mir, du mögest in den Spiegel schauen und die Celia sehen, wie ich sie sehe. Eine schöne, herzenswarme, fröhliche, beneidenswerte, mutige und erfolgreiche Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, ihre Träume lebt, an sich selbst glaubt, die Herausforderungen mit einem Lächeln meistert und an das Gute im Leben glaubt. Eine Freundin mit Tiefgang, mit Mut zu ihren Gefühlen und einem unbändigen Lebensdrang.
Und dann bin ich so froh, dich so wie du bist kennen zu dürfen, so erleichtert, dass du damals nicht aufgegeben hast, dass du diesem Strudel entgehen konntest. Wie gesagt, ich bin derzeit noch nicht so weit mit dem Lesen, aber weit genug um eine andere Celia zu sehen, die diese Qualen mit Sicherheit nicht verdient hat. Eines weiß ich genau, dass dieses Buch Hoffnung gibt, Halt und Stütze sein kann, für jemanden, der noch nicht so glücklich ist, diesem Wahnsinn entflohen zu sein.
Ich bin so froh, dass du da bist und du dich nicht aus dieser Welt weggehungert oder — um es mit deinen Worten zu sagen – ”hinausgekotzt” hast. Auch wenn du in H— bist und somit weiter weg, als die meisten anderen Freundinnen fühle ich mich dir im Moment sehr, sehr nahe.
Hoffentlich klingt dieses Schreiben nicht allzu pathetisch — aber ich finde nicht wirklich andere Worte. Ich danke dir für das Vertrauen, so tief in deine Seele schauen zu dürfen. Meine Achtung und Wertschätzung sind dir sicher.
Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende. Und wenn dir die Sonne zuzwinkert, dann weil ich so froh bin, dass du sie sehen kannst !!!!