Immer wieder sind die Suchphrasen, durch die manche Leute meinen Blog finden, eine Motivation zum nachdenken. Obiger Titel ist auch so eine Phrase, der mir sofort auffiel. Bevor ich versuchte, die Frage zu beantworten, sind mir gleich noch ein paar Fragen eingefallen. Hatte ich je Selbstachtung? Wenn ja, warum habe ich sie verloren? Wenn nein, wie habe ich bisher überlebt? Kann man überhaupt Selbstachtung verlieren und wieder zurückbekommen? Wie bekomme ich Selbstachtung?
Diese Fragen kreisten mir durch den Kopf und ich dachte nach. Da ich dazu neige, problemorientiert zu denken und zu handeln, machte ich kurzen Prozess mit den anderen Fragen. (Ich war nicht immer problemorientiert, sondern verbrachte viele Jahre am Grübeln!) Ich weiß nicht, ob ich je Selbstachtung hatte. Ist momentan nicht wichtig. Wenn ja, ich weiß auch nicht warum ich sie verloren haben könnte. Aber das erinnert mich an all das Geld, das ich für Fressen verschwendete. Warum habe ich es nicht gespart? Wie viel Geld hätte ich wohl jetzt? Irrelevant. Wie habe ich bisher überlebt? Bewältigungsstrategien — ob recht oder schlecht. Kann man Selbstachtung verlieren und wieder zurück gewinnen? Tja, ich denke schon, aber auf das Experiment möchte ich mich nicht einlassen. Es bleibt noch die Frage: Wie bekomme ich Selbstachtung?
Die Frage finde ich gut, d.h. mit ihr kann ich etwas anfangen. Spontan fällt mir die Phrase ein: “Learning by doing.” Zu Deutsch: “Lernen durchs Tun.” In den letzten paar Tagen war ich leicht verunsichert. Ich merkte einerseits, dass ich total beeindruckt bin von meinen Mitarbeitern. Sie sind lustig, liebevoll, engagiert, innovativ, kreativ und handwerklich sehr geschickt. Das finde ich echt toll. Aber wenn ich manche Projekte genauer anschaue, oder ihren Erzählungen zuhöre, breiten sich ganz leichte Minderwertigkeitsgefühle und Angst aus. Was ist, wenn sie merken, dass ich das alles nicht kann?!
Ein Vorteil (?) meiner Ehe war, dass mein Mann viel des Alltäglichen selbst erledigte. Wenn etwas zu reparieren oder renovieren war, machte er es selbst oder ließ jemanden kommen. In den frühen Jahren hätte ich nur zu gerne mitgeholfen, aber ich konnte nicht ordentlich genug arbeiten. Verständlicherweise, verlore ich mit der Zeit jede Lust bzw. Motivation, etwas selbständig zu machen. So verkümmerte meine praktische Seite, sodass ich mit Entsetzen feststelle, manche Dinge die ich früher konnte, kann ich nicht mehr!
Doch genau jetzt ist eine tolle Gelegenheit, etwas zu lernen. Anstatt mich verunsichern zu lassen, mich von der Arbeit zu drücken, damit meine Unfähigkeit nicht entlarvt wird, oder gar zu kündigen, um die Blamage zu vermeiden, betrachte ich die Situation als Chance, manche Unkenntnisse zu beseitigen. Ich muss nicht die Beste sein. Ich habe meine Zeit mit anderen Dingen verbracht, und jetzt ist das praktische Leben an der Reihe.
Auch hier ist es nur eine Übungssache. Wenn etwas zu tun ist, werde ich sagen: “Ich kenne mich nicht aus, aber ich lerne schnell und helfe gerne mit. Dann lerne ich auch dabei und kann es nächstes Mal besser machen.” Ich brauche nur ein bisschen Mut, diese erste Hemmschwelle zu überschreiten. Dann geht es. Das erinnert mich an das Studium. Zu Beginn war ich furchtbar scheu. Ich tat mir schwer, mit fremden Leuten zu reden, oder überhaupt vor Menschen zu stehen und zu reden. Ich wusste, die Abschlussprüfung ist mündlich, also war ich gut beraten, mich für Referate zu melden. Das tat ich. Das erste Mal war mein Gesicht knallrot und mir war sehr heiß. Aber nach vielen Jahren und vielen Referaten, habe ich jetzt keine Problem vor einer Menge zu stehen und zu reden. Ganz unerwartet kommt mir das zugute: Wenn ich auf der Bühne stehe, rede ich gerne mit meinem Publikum. Da bin ich locker, lustig und kann es genießen.
Das werde ich jetzt in diesem handwerklich-kreativen Bereich machen. Melden! Melden! Melden! Mithelfen, ausprobieren, versuchen, und sicher auch scheitern. Aber es wird bestimmt immer besser mit der Zeit. Es ist nur eine Übungssache.
Durch diesen Aktivitäten, arbeite ich nebenbei an meine Selbstachtung. Aber es geht auch unmittelbar. Vor einiger Zeit schrieb ich einen Artikel über Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen, und nahm mir vor, mit Affirmationen zu arbeiten. Ihr werdet lachen (oder auch nicht), aber es funktionierte! Ich halte tatsächlich viel mehr von mir als damals. (War das im Sommer? Keine Ahnung, aber es ging eigentlich schnell!)
Wie geht das? Na ja, die Affirmationen waren gut: “Ich bin ok, so wie ich bin. Ich bin in Ordnung. So wie ich bin, genaus so sollte ich sein.” Ich wagte, daran zu glauben. Irgendwie machte es “klick” bei mir und ich hörte auf, meinen Wert bei anderen zu suchen. Heute warte ich nicht auf eine Bestätigung von außen. Die kommt nicht immer, egal ob die Leute positiv von mir denken oder nicht. Die meisten sind mit sich selbst und den eigenen Kram zu beschäftigt um mich unter die Lupe zu nehmen. Wie schon einmal gesagt, die meisten Menschen sind sogar erleichtert, wenn sie merken, dass ich auch nicht auf anhieb alles kann. Es tut jeden gut, die menschliche, unvollkommene Seite zu zeigen bzw. von anderen mitzubekommen.
Durch diesen Übungen, merke ich wie meine Selbstachtung gewachsen ist — fast unmerkbar langsam, aber jetzt wo ich darüber nachdenke, fällt es mir auf. Also, es geht nicht von heute auf morgen. Probiere es einfach. Glaube an dich selbst. Verwende Affirmationen. Sage: “Ich kann nicht alles, aber ich kann lernen. Wenn jemand mir hilft oder etwas zeigt, kann ich es auch lernen. Ich bin in Ordnung und habe das innere Werkzeug dazu, mich weiter zu entwickeln.” Schön langsam lasse ich das Gefühl los: “Etwas stimmt mit mir nicht.” Ich ersetzte diesen Gedanken mit: “Ich bin in Ordnung, so wie ich bin.”
Ich war mein schlimmster Feind. Ich hatte sehr hohe Erwartungen, wenig Geduld und stellte dauernd Forderungen an mich — manche waren unmöglich. Jetzt hat sich der Zugang gewandelt: Ich bin mir selbst eine Freundin. Ich versuche, mit mir genauso nett umzugehen wie mit anderen Menschen — mit Geduld, Rücksicht, Verständnis, Ermutigung und Liebe. Es scheint Wurzeln zu schlagen. So bin ich heute für die Kenntnisse der anderen dankbar und erkenne die Situation richtig: Sie bietet mir eine Möglichkeit, dazu zu lernen. Ich bin nicht auf dieser Welt, um perfekt zu sein. Ich bin hier damit ich lernen, entdecken und mich weiterentwickeln kann. Ich gebe mein Bestes, aber das schützt nicht vor Fehler. Wenn ich einen Fehler mache, kann ich darüber lachen. Ich bin ja “nur” ein Mensch.
So, das ist meine Meinung über Selbstachtung: Lernen durchs Tun. Nimm Herausforderungen an und lerne dabei. Ich bin mir ganz sicher, du wirst von den Ergebnissen überrascht und mit ihnen zufrieden sein. Deshalb ist es nicht wichtig, ob ich früher Mal Selbstachtung hatte. Was zählt ist, dass ich sie jetzt habe. Trau dich!