Es gab einmal eine Zeit, da hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich einfach ich selbst sein kann. Es dauerte unglaublich lange, dieses Selbst zu erkennen und zu akzeptieren. Rückblickend scheint mir das verrückt zu sein, dass ich mich ändern wollte. Doch glaubte ich an die Notwendigkeit, denn ich war nicht gut genug, so wie ich war.
Letztes Jahr entdeckte ich einen alten Liebesbrief. Eigentlich hatte ich alle weggeworfen, aber dieser hatte sich in einem Buch versteckt. Er wollte sich retten, bis ich endlich so weit war, ihn zu verstehen.
Meine erste große, unerreichbare Liebe schrieb diesen Brief. Er schrieb, dass er mich liebt. Er sagte, wenn es mir hilft, positive Gedanken zu schicken, dann würde es mir gut gehen, denn er schickt sie andauernd — “heute und immer”. Er bat mich, ihn zu besuchen — aus egoistischen Gründen, wie er sagte. Er wollte mir die Gegend zeigen. Er sagte, dass er nicht viel Zeit für mich hätte, aber wir könnten schon etwas unternehmen.
Wie habe ich das interpretiert? Er liebt mich, aber in einer mitfühlenden, menschlichen Art und Weise, wie unsere großzügigen Gefühle für “die Menschheit”. Ihr wisst schon — diese grundlegende Empathie. Ich glaubte nicht daran, dass er mich als Frau lieben könnte. Übrigens hätte er ja kaum Zeit für mich. (Wahrscheinlich meinte er nur, dass er arbeiten musste.)
Dieser uralte Brief öffnete mir die Augen. Ihn jetzt zu lesen und zu verstehen, und zu wissen, wie ich ihn damals interpretierte, haut mich einfach um. Unglaublich.
Unglaublich wie verzerrt unsere Wahrnehmung sein kann, wenn wir nicht glauben, dass wir liebenswürdig sind. Ich konnte nicht an Liebe glauben, den ich hasste mich selbst. Bis zum heutigen Tag kann ich diese Verrücktheit nicht fassen.
Jeder von uns ist liebenswürdig. Aber wir müssen selbst daran glauben!
das ist mir so was von bekannt…
Ja, ja, wir (ex)Bulimikerinnen haben bestimmt mehr als nur eine Essstörung gemeinsam! Aber das schaffen wir auch noch!