Ich war in letzter Zeit ruhig weil ich merkte, dass ich etwas leiser treten soll. Es sind zwei Wochen seit dem Unfall vergangen und ich mache Fortschritte. Vor zwei Tagen ging es mir so gut, dass ich beschloss, selber Auto zu fahren. Ich wollte nicht lästig sein und jemanden darum bitten, mich wohin zu führen. Tja, eine schnelle Bewegung und jetzt tut es mir wieder mehr weh. Manche Menschen lernen nie! Nachher gab ich den Autoschlüssel meinem Mann mit der Anweisung, ihn bis auf Weiteres zu verstecken. Mir kann man nicht trauen!
Nach dieser kurzen Erklärung bezüglich meiner Abwesenheit, will ich einige Gedanken mitteilen, die mir gestern beim Lesen einfielen. Wieder ein Roman von Paulo Coelho der mich berührt: Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte. In einer Passage wird eine Geschichte über den „Anderen“ in uns erzählt – derjenige, der uns dazu drängt, sicher und vorsichtig zu leben, keine Unruhe zu stiften, einfach für das was wir haben dankbar sein, und unsere Träume zu vergessen. Es ist eine inspirierende Geschichte innerhalb einer Geschichte.
Das veranlasste mich darüber nachzudenken. Wer bin ich und wer ist dieser Eindringling, der mir dauernd versucht einzureden, was ich alles tun und lassen soll, damit der häusliche Frieden um jeden Preis gewährleistet ist? Übrigens, diese Zeilen schreibe ich für alle, die mitleiden, die Selbstzweifel haben. Die anderen, die nicht essens- oder sonst gestört sind, die keine Probleme haben, die sich für ganz normal halten – die haben Glück. Aber zum Glück gibt es solche Schriftsteller, die unsere Lage verstehen und Geschichten spinnen, die uns ermutigen bzw. weiterhelfen. Wir fühlen uns verstanden. Natürlich wäre es möglich, dass ich die einzige ehemalige Bulimiekranke bin, die an ihre Normalität ab und zu zweifelt. Doch gehe ich das Risiko ein und nehme an, dass es mehrere solche gibt – egal ob gesund, im Gesundungsprozess, oder noch mitten in der Krankheit – die nicht unbedingt der „Norm“ entsprechen.
Beim Lesen fiel mir ein, dass ich mich genauso wie Millionen andere Menschen angesprochen fühle. Seine Bücher sind doch Bestseller! Stell dir vor! Die Geschichte ermutigt mich, ich selbst zu sein, meine Meinung zu sagen, meine Gefühle wahrzunehmen und ihnen zu vertrauen. Außer das Buch hat eine ganz andere Wirkung auf mich als auf alle anderen und wir alle mögen es aus ganz verschiedenen Gründen, ich wage zu behaupten, dass manche meiner Gedanken und Gefühle von Millionen Menschen geteilt werden.
Ich frage mich nur, wo die alle sind? Wohnen Welche in dieser Gegend?
Du Liebe,
jetzt erst habe ich diesen deinen Artikel gelesen – ich liebe die Art und Weise, wie Paulo Coelho wieder spirituelle Kraft in mein Leben zu bringen vermag!!! Ich habe alle Bücher von ihm gelesen, nicht jedes hat den selben Zauber auf mich ausgeübt, aber “Am Ufer des Rio Piedra…” ist eines meiner Lieblingsbücher, die ich bereits mehr als drei Mal gelesen habe. Ein Schatz, aus dem ich schöpfen kann, Liebe, Mut und Kraft. Wunderbar, danke für die Erinnerung
Herz-liche Grüße von Elisabeth
Ich mag ihn auch sehr, obwohl ich ihn erste heuer entdeckte habe und noch recht wenig von ihm gelesen habe bisher. Aber er hat wirklich eine spirituelle Wirkung auf mich — wie du sagst. Erfrischen und hoffnungweckend.
Liebe Grüße, Celia