Die Kunst, loszulassen, ist keine einfache Sache. Es dauert ein Leben lang, sie zu perfektionieren und das ultimative Loslassen ist das Sterben. Egal ob wir schlechte Gewohnheiten, Messy sind, unpassende bzw. zerstörerische Beziehungsmuster und Interaktionen haben, oder essensgestört sind. Etwas haben wir gemeinsam: Die Notwendigkeit, los zu lassen.
Doch ist es nicht so einfach – zumindest nicht für mich! Momentan lasse ich Ängste, Unsicherheiten, Zweifel, Unentschlossenheit und Ungeduld los. Es geht um berufliche und private Angelegenheiten. Gerade jetzt weiß ich nicht, wohin der Weg führt und wo er endet. Das ergibt ein aufgeregtes und neugieriges Kribbeln, das manchmal fast unerträglich wird. Ich erwähnte schon an anderer Stelle, dass ich gerne die Dinge unter Kontrolle habe, also könnt ihr euch vielleicht diese Herausforderung nachempfinden.
Auf emotionaler, spiritueller und körperlicher Ebene kann ich Veränderung spüren – bis in die Zellen der Zehenspitzen! Es erinnert mich daran, wie ich vor fünf Jahren mit dem Rauchen aufhörte. In den ersten paar Wochen war ich erschöpft und musste viel schlafen. Die Müdigkeit ist wieder da! So viel Neues, Veränderung und Aufregung!
So lerne ich etwas, das mir bisher schwer fiel: aktiv geduldig zu sein. Das bedeutet, ich sitze hier ganz ruhig, während ich innerlich fast platze und am liebsten beschleunigen möchte. Aber Alles braucht seine Zeit. Veränderung dauert. Außerdem lasse ich los. Ich unternehme die passenden Schritte, aber dann lasse ich los – ich gebe es dem Universum weiter. Ich vertraue, dass Gott oder eine höhere Macht die endgültig richtige Entscheidung treffen wird, z.B. ob ich den Job nehmen soll. (Übrigens, diesen Artikel begann ich vor dem Radunfall zu schreiben.) Ich weiß nicht immer, was das Beste für mich ist. Wenn der Job der richtige ist, werde ich ihn bekommen. Wenn nicht, dann ist vielleicht etwas Besseres für mich geplant. Das glaube ich. (Noch bin ich dabei zu lernen, was der Radunfall mich lehren wollte.)
Sicher ich könnte losspringen ins kalte Wasser und alles auf den Kopf stellen – vor allem was die Ehe betrifft – aber das ist nicht mein Stil. Ich will es so verantwortungsbewusst und achtsam wie möglich machen. Und ich gestehe – mit so wenig Unbequemlichkeit wie möglich. Ich bin nicht mehr so mutig impulsiv wie mit 20, aber das ist in Ordnung. Ich bin jetzt so, wie es für mich passt und richtig ist. So wie ich die Dinge sehe, gibt es noch was in dieser Beziehung, das ich lernen muss. Und dann, wer weiß, was kommen wird? Ich nicht!
Einatmen, ausatmen und sage mir nach: „Alles ist gut. Ich gebe mein Bestes und überlasse den Rest dem Universum. Alles wird sich bestmöglich entwickeln.“ Natürlich gibt es eine andere Alternative, die ich mit 20 verwendete: Ich könnte ununterbrochen essen und kotzen, mich die Situation nicht stellen, davon laufen, und den Rest auch dem Universum überlassen. Doch, das mache ich nicht mehr. Es gibt NICHTS, das schlimm genug ist, um dieses selbst-zerstörerische Verhalten für mich wieder zu rechtfertigen. Alles geht vorbei – das Gute und das Schlechte.
Wenn mir keine Alternativen einfallen, sitze ich einfach still, bis die Spannung nachlässt. Dann staune ich manchmal über mich selbst – über meine Gelassenheit. Siehst du? Wieder eine Alternative! Und natürlich, ins Kino zu gehen ist auch heilsam, wenn ich Ablenkung brauche.