Gestern war Vatertag in den U.S.A. Als ich meinen Vater anrief, meldete er sich ganz außer Atem. Er war draußen im Garten am arbeiten und ließ das Garagentor offen, damit er das Telefon hört. Irgendwie dachte er, ich könnte vielleicht anrufen, und er wollte meinen Anruf nicht versäumen. So bald er das Telefon hörte, lief er hin um dran zu gehen. Das fand ich süß, dass er mir das erzählte. Es ist rührend, dass ein Anruf nach so vielen Jahren so viel bedeuten kann. Fast hätte ich darauf vergessen, da wir letzte Woche schon den Vatertag feierten.
Wir sprachen über verschiedene Sachen und er erwähnte seine Reise durch Italien. Manche seiner Mitreisenden waren sehr gut informiert über die Kunstgeschichte und den Künstlern. Er wünschte, er hätte in der Schule besser aufgepasst. Ich antwortete: „Jeder hat Bereiche, in denen sie Experten sind. Wir neigen dazu zu glauben, dass andere unser ganzes Wissen haben, und ihre Spezialgebiete noch dazu. Aber das stimmt nicht. Wenn jemand mehr weiß als du, ist das eine gute Gelegenheit, Fragen zu stellen. Oder du kannst so tun, als wüsstest du schon alles, aber das bringt dir nichts.“ Ich sagte, dass er genauso seine Spezialgebiete hat. Er war verblüfft, dass seine „weise Tochter“ so etwas sagt. Ich lachte und vergewisserte ihn, dass ich mir auch schon blöd und unwissend vorgekommen bin.
Ich bin so froh, dass ich anrief – denn er hatte insgeheim sehr darauf gehofft und es tat ihm gut zu hören, dass er nicht dumm ist. Wie gesagt, er hat einfach andere Bereiche, aber er ist auch ein Experte. Es ist wirklich erfreulich, dass unsere Beziehung sich in den vergangenen 15 Jahren so gut entwickelte. Jetzt, nach so vielen Stunden, spüre ich noch immer diese Wärme um mein Herz herum. Wieder einmal wurde mir klar, wie wichtig die kleinen Gesten sind – und wie viel sie anderen bedeuten.