Ich freue mich sehr über Rückmeldungen, denn sie geben mir Auskunft, ob der Blog eine Hilfe ist. Während den vergangenen vier Jahren, habe ich meine alten Tagebücher überarbeitet und übersetzt, um sie in Buchform herauszugeben. Dadurch ist mir sehr viel von der Geschichte — von dem Leiden, von den Qualen und den unzähligen Hochs und Tiefs — wieder vertraut. Dennoch mache ich mir manchmal Sorgen, dass ich schon zu weit weg bin von der Krankheit, um mich wirklich noch hineinversetzen zu können. Ich sage euch das nur um Hoffnung zu wecken: Ich kann mir dieses Verhalten gar nicht mehr vorstellen!
Es war ein sehr langer weg dorthin. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich verzweifelt dachte: “Ich kann nicht essen. Ich weiß gar nicht wie!” Und als ich so abgemagert war, wusste ich, dass ich mein altes, normales Gewicht gerne wieder hätte. Ich wünschte mir, dass ich es magisch wieder zunehmen könnte, denn die Vorstellung, zuzunehmen, war mir einfach unerträglich. Essen war sowieso unmöglich. Sobald ich nur einen Bissen zu viel erwischte, war es vorbei. Dann konnte ich nicht mehr aufhören. Ich wusste aber nicht mal, was genug oder zu viel war. Ich hatte überhaupt keine Ahnung mehr. Und ich wollte dünn sein. Dünn wie Luft. Durchlässig und leicht. Ich wollte von Wasser und Luft leben.
Heute ist es wirklich ganz anders. Auch wenn ich etwas noch so gerne esse, die Vorstellung, zu viel davon zu essen ist mir fremd. Es klingt vielleicht komisch, aber ich denke mir: “Was würde mir das bringen?” Ich meine, ich habe eine Portion gegessen, es hat mir geschmeckt, und fertig. Und so blöd es klingt, es ist einfach eine Übungssache. Das habe ich schon beschrieben, wie ich essen lernte. Essen ist eine angenehme Notwendigkeit, und es ist etwas, das ich für mich tue.
Kotzen ist auch so eine Sache. Es ist so unangenehm, dass ich es kaum schaffe, wenn ich krank bin! Während andere mit einer Bauchgrippe schon längst brechen müssen, kann ich nur schwer loslassen. Also wirklich nur dann, wenn ich es nicht zurückhalten kann. Kotzen ist äußerst unangenehm.
Die aufgefrischten Erinnerungen stärken meinen Wunsch, anderen zu helfen, aus diesem schrecklichen, tödlichen Teufelskreis auszubrechen. Ich schreibe weiterhin, was mir intuitiv einfällt, aber ich bitte euch, wenn ihr etwas genauer wissen wollt, dann fragt ruhig. Ich gebe gerne Auskunft, bin aber keine Therapeutin. Mein praktisches Wissen und meine Erfahrungen kann ich weiter geben, aber eine Therapie bzw. Selbsthilfegruppe kann ich nicht ersetzen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich niemanden “zu Vernunft” bringen kann. Die meisten Ratschläge sind nutzlos. Ich weiß, dass jede für sich ihren Weg finden muss. Jede muss bereit sein, dass ihr spezieller Knopf aufgeht. Die passende Aha-Erlebnis/Erkenntnis ist eine persönliche Erfahrung. Ich kann nur erzählen, wie es bei mir war und was ich dadurch gelernt habe.
Gesund zu werden ist etwas, dass ein Mensch nur für sich macht. Dennoch finde ich es immer wieder hilfreich (auch in anderen Bereichen), von anderen zu erfahren, was sie erlebten, wie sie eine schwierige Situation meisterten, wie sie zu einer Entscheidung kamen. Sie sind eine Art Vorbild und geben mir das Gefühl, nicht allein zu sein. Wir können sehr viel voneinander lernen!