Dankbarkeitswelle
18. Mai 2008 von cfandemils
Gestern sollte ein normaler wichtiger Tag werden: Mein Sohn hatte Firmung. Nach monatelanger Vorbereitung, war es endlich so weit. Mein Mann war besorgt, dass wir zu spät zur Kirche kommen und dann keinen Sitzplatz haben. (So war es letztes Jahr bei der Firmung meiner Tochter!) Er war genervt — schrie herum und jammerte, weil wir noch nicht fertig waren. Das war mir zuwider. Ich sagte ihm, dass ich beim Mittagessen schon sagte, wann wir losgehen sollten, und genau zu der Zeit waren die Kinder und ich startbereit.
Als wir bei der Kirche ankamen, war kaum jemand dort. Bevor wir hineingingen, sagte ich meinem Mann — vor den Kindern — dass ich genug hatte von seinem Benehmen und er möge damit aufhören. Es ist ein besonderer Tag, und so will ich ihn in Erinnerung halten. Es war offensichtlich, dass diese Rede beiden Kindern gefiel, besonders meinem Sohn. Bis dahin hatten sie meinem Mann ignoriert und sich geweigert, von ihm fotografieren zu lassen. So brachten sie ihren Unmut zum Ausdruck. Wir gingen in die Kirche, fanden ausreichend Platz, und es passte wieder.
Da ich schon ausreichend sentimentale Tränen geweint habe, weil meine Kinder groß werden, blieben meine Augen trocken während der Zeremonie. Das Gefühl des Stolzes war viel stärker. Da ich eher nicht in die Kirche gehe, und mehr hinduistisch-buddhistisch veranlagt bin, überließ ich den Kindern die Entscheidung, ob sie gefirmt werden wollen. Beide entschieden sich dafür, und nahmen die ganze Verantwortung auf sich. Ohne zu jammern gingen sie auf allen Ausflügen mit, gingen in die Kirche, standen sogar zweimal früh genug auf, damit sie um 6 Uhr morgens in der Kirche sein konnten. Ohne Beschwerden. Ich lehnte mich zurück und dachte: “Gut gemacht, meine Lieben!”
Da ich nur für Begräbnisse, Hochzeiten und Kindermeilensteinen (Taufe, Erstkommunion, Firmung) in die Kirche gehe, sind Tränen oft unvermeidbar. Aber diesmal war es anders. Ohne Sentimentalität saß ich dort und spürte eine innere Ruhe und Zufriedenheit.
Und dann passierte etwas. Gegen Ende der Zeremonie sang das Mädchenchor: “Top of the World” — einer der vielen Hits von den Carpenters. Für diejenige, die es nicht wissen, Karen Carpenter starb in Februar vor 25 Jahren während der Genesung von ihrer Magersuchtsbulimie. Das Lied riss mich komplett aus der Ruhe. Eine Welle der Dankbarkeit breitete sich in mir aus und hinterließ feuchte Spuren in meinen Augen, als es mir klar wurde — ich hätte auch sterben können.
Ich bin so dankbar dafür, dass ich diese Tage als leidende junge Frau in New York City überlebt habe — als beweglicher Zahnstöcher, der so oft wie möglich aß und kotzte, manchmal auch Blut kotzte, deprimiert, alleine, paranoid und ängstlich war, öfters Ohnmachtsanfälle hatte, und Stimmen hörte auf dem Weg in die Arbeit. Ich wollte leben, aber ich hatte die Hoffnung aufgegeben und wartete nur noch auf den Tod. Stattdessen, wurde ich gesund. Und trotz all der Irritationen, die mit Ehe und Kindern einher gehen, bin ich ewig dankbar für dieses Kapitel meines Lebens, für die Gelegenheit, zwei gesunde Kinder großziehen und sie genießen zu können. Vielen Dank an meiner Höheren Macht!