Ich bin ein Kind der späten 1960iger Jahre. Kurz nach dem Woodstock Festival, begannen wir, viel Zeit in Woodstock (Ort) zu verbringen. Meine Mutter entdeckte dort einen Reformkostladen, und wurde bald Stammkundin.
Es dauerte nicht lange, da wurden unsere süßen Frühstücksmüslis mit Vollkornmüsli ersetzt, und die Schokoriegel verwandelten sich in Sesam-Honig-Riegeln. Wir hatten einen großen Gemüsegarten, also war Gemüse schon immer ein Hauptbestandteil unseres Essens. Meine Mutter war eine ausgezeichnete Köchin. Erst nach ihrer Scheidung, als sie arbeiten ging, entdeckten wir aus der Notwendigkeit heraus das Dosenfutter.
Meine Mutter neigt zu Extremen, was mich ziemlich nervt(e). Deshalb, als ich gesund wurde, war mir eine Sache ganz klar: Ich werde nicht extrem sein. Mein Essen wird im Durchschnittsbereich liegen, ein bisschen dies, ein bisschen das. So ist es auch.
Jetzt bin ich älter und verstehe etwas mehr über richtige Ernährung. Inzwischen schätze ich das Wissen meiner Mutter und bin bemüht, unser Essen etwas hochwertiger zu gestalten. Nur ganz langsam, kaum merkbar, natürlich! Ich bin der Überzeugung, dass es wichtig ist, auf sich zu schauen. Dennoch bin ich nicht bereit, es so weit zu treiben, dass ich Dinge esse, NUR weil sie gesund sind. Gleichfalls bin ich nicht bereit auf „ungesunde“ Sachen die mir schmecken zu verzichten. Mein Motto: Alles mit Maß.
Ich weiß, dass klingt etwas langweilig und vernünftig, aber das ist es gar nicht. Es bedeutet, ich kann alles haben!!! (Nur nicht in Unmengen!) Im Herzen, bin ich ein Hedonist. Ich glaube fest daran, dass der Genuss dem Ernährungswert gleichwertig in seiner Wichtigkeit ist.
Meine Tochter hat eine Nickelallergie und hat von einer Gürtelschnalle einen Ausschlag auf dem Bauch bekommen. Das erzählte ich meiner Mutter, die sofort einige Ernährungsratschläge von sich gab. Jetzt nehme ich ihren Rat als willkommener Vorschlag an. Meine Tochter ist eher bereit, etwas gesünder zu essen, weil sie eine schöne Bauchhaut haben will. Wir arbeiten daran. (Sie erklärte sich bereit, weniger Weißbrot und mehr Vollkornbrot zu essen.) Der bevorzugte Zugang zum Essen ist: Es soll damit bewirken, dass ich mein Wohlbefinden dabei unterstütze. Das Essen ist kein Feind. Es erhält uns am Leben! (Inzwischen haben wir auch zwei nickelfreie Gürtelschnallen gekauft. Das hilft ebenfalls.)
Mit den Jahren, lieferten meine Mutter und ich uns einige hitzige Diskussionen, da wir unterschiedliche Zugänge zum Essen haben. Es geht mir jetzt nicht darum, ob eine von uns Recht hat. Wichtiger ist, dass jeder sich dabei wohlfühlt mit dem, was er isst. Genauso wie es bei Essstörungen um mehr als das Essen geht, ist es auch bei gesundem Essen so!