Meine 13-jährige Magersuchtsbulimie hinterließ mir eine gewisse Sensibilität, was Essen betrifft. Mein Essverhalten im Moment ist ziemlich normal, wenn nicht sogar langweilig! Meine Sensibilität betrifft auch die Essgewohnheiten anderer, die ich beobachte – nicht von oben herab, sondern es interessiert mich ganz einfach, warum so viele Menschen Schwierigkeiten mit dem Essen haben.
Ich kaufe schon lange keine Frauenzeitschriften mehr. Vor Kurzem war ich am Flughafen und suchte etwas zum Lesen. Auf fast jeder Zeitschrift stand etwas über einen Diät. Ich glaube, eine hat sogar beworben, verliere 5 kg in Zehn Tagen! Ich will nicht vom Thema abkommen, aber das erinnert mich an das Umweltproblem. Wie oft haben wir schon gehört, wie schlimm es ist mit der Verschwendung, vor allem was Verpackung betrifft? Wir sollen bewusst einkaufen, keine Geschenke einpacken. Jedoch, wenn man sich umsieht, gibt es immer mehr Verpackungen und die großzügig verpackten Produkte werden immer kleiner. Es ist absurd.
Was hat das mit dem Essen zu tun? Wir haben oft genug gehört: Um vernünftig abzunehmen, muss man die Essgewohnheiten ändern und sich mehr bewegen. Wir wissen auch, dass es ungesund ist, mehr als 1-2 kg im Monat abzunehmen. Jede, die sich damit beschäftigt, hat das sicher schon gelesen. Es gibt keine schnelle Lösung. Diejenigen, die immer noch danach suchen, kennen wahrscheinlich den Jojo-Effekt sehr gut.
So, heute dachte ich mir, ich würde einfach beschreiben, wie ich es schaffte, auf Dauer „normal“ zu essen. (Das ist keine Anleitung, sondern nur eine Beschreibung.) Unter „normal“ verstehe ich regelmäßige, ausreichende Mahlzeiten, ohne mich vollzustopfen. Zusätzlich zu den Anonymen Überesser und Therapie, irgendwann erkannte ich das Essen selbst als Hilfe. Es ist der Treibstoff, der mein Leben aufrechterhält. Obwohl ich mich elendig durch den Tag schleppte, wurde mir irgendwann klar, dass ich doch leben wollte. So akzeptierte ich das Essen als eine Notwendigkeit. Gesund zu werden heißt, zu sich selbst ehrlich zu sein.
Wie gesagt, das ist nur meine Geschichte. So habe ich es getan. Ich war schon immer stur und meinte, ich muss es alleine schaffen. Das machte ich mit dem Essen genauso. Im Nachhinein wäre es schon eine gute Idee gewesen, eine Ernährungsberaterin zu konsultieren. Aber ich tat es nicht.
Nach einigen Fast-Genesungen, die zwischen einigen Tagen und mehreren Monaten anhielten, wurde mir klar: Ich aß nicht genug während den „gesunden“ Zeiten, so war ein Fressanfall vorprogrammiert, einfach deshalb, weil ich am Verhungern war. Zweitens wurde mir klar: Ich wusste gar nicht, wie man isst! Ich informierte mich, wie viele Kalorien man ungefähr täglich braucht, und wie drei Mahlzeiten am Tag aussehen könnten. Ich will auch erwähnen, dass ich in eine Gruppentherapie ging, um die darunterliegenden Probleme zu behandeln.
Dann beschloss ich, täglich 3 Mahlzeiten zu mir zu nehmen – nicht mehr und nicht weniger. Aus früheren Erfahrungen wusste ich, dass ich zu Beginn mit Verstopfung, komischen Gefühlen, Gewichtszunahme oder gar Panik konfrontiert sein werde. So nahm ich mir vor, es durchzustehen, egal was kommt. Ich hatte einfach genug von der Krankheit und war bereit, das Nötige zu tun, um gesund zu werden. (Übrigens, ich tat es nur für mich! Nicht um irgendjemanden glücklich zu machen!)
Es gab keine verbotene Speisen, keine Diätlebensmittel, und keine kalorienarme Speisen, die ich hineinstopfen durfte. Mein Ziel war: Normales Essen. Das einzige Kriterium: Es muss gut schmecken. Warum? Weil ich satt und zufrieden sein wollte, und ich bin ein extremer Mensch. Wenn ich nicht befriedigt bin, will ich mehr. (Das war früher immer der springende Punkt, der mich in einen Fressanfall hinein katapultierte.) Ich sorgte dafür, ausreichend Bewegung zu machen – ging zweimal die Woche 30 Minuten gemütlich joggen, und fuhr mit dem Fahrrad in die Arbeit und zu Schule. Ich hoffte damit, den Stoffwechsel in Schwung zu bringen. (Und der Psyche tat es auch gut!)
Beim Essen achtete ich immer darauf, genügend Zeit zu haben und alles gut zu kauen. So konnte ich das Essen wirklich wahrnehmen und genießen. Durch das langsame Essen hatte der Körper auch genügend Zeit, den „gesättigt“ Signal abzuschicken. (Das hatte ich auch schon irgendwo gelesen! Es stimmt!) Jetzt bin ich noch immer eine langsame Esserin. Wenn ich versuche, mit anderen mitzuhalten, bekomme ich meistens Bauchweh. Es ist viel angenehmer, langsam zu essen.
Nach einiger Zeit (Monaten?), geschah etwas. Ich begann, Hunger und Sättigung zu spüren. So kam der nächste Schritt: die Mengen den Hunger anzupassen. Manchmal aß ich mehr, manchmal weniger, aber es glich sich immer aus. Wichtig war, nie zu viel zu essen, denn das Völlegefühl war mir äußerst unangenehm und auf jeden Fall zu vermeiden. Oberste Priorität: Es sollte angenehm sein!
Natürlich geschah das nicht von einem Tag auf den anderen. Während den ersten paar Jahren, gab es ein paar Rückfälle. Es blieb aber bei einzelnen Episoden. Sie waren meistens stress-bezogen, so lernte ich, sie als Warnsignal zu deuten und dementsprechend zu handeln. Es war nicht notwendig, mich schlecht zu fühlen oder mich zu bestrafen. Diese Episoden zeigten einfach, dass meine Bewältigungsmechanismen noch etwas feiner eingestellt werden sollten.
Da ich zu Beginn meiner Gesundheit etwas untergewichtig war, nahm ich allmählich etwas zu. Durch regelmäßiges, normales Essen, konnte mein Körper sein passendes Arbeitsgewicht finden. Es hat sich eingependelt, und seit 20 Jahren bin ich ziemlich gleich (abgesehen von zwei Schwangerschaften und eine minimale Winterschicht von 1-2 kg, der im Frühjahr von sich aus wieder verschwindet). Es gibt kein Auf und Ab mehr.
Man muss es einfach akzeptieren: Es gibt keine schnelle Lösung. Es lohnt sich nicht, dauernd zu verzichten – irgendwann holst du es doch nach! Gesund zu werden bedeutet, mir selbst treu zu sein. Ich bin nicht perfekt und ich muss es nicht perfekt machen. Das Leben ist eine Abfolge von Hochs und Tiefs, warum soll die Genesung anders verlaufen?
Obwohl eine Essstörung schrecklich ist, ist sie auch vertraut. Es ist ähnlich einer schlechten Beziehung, von der man nicht los kommt. Meine größte Hürde im Leben war und ist die Angst – Angst vor allem, ob bekannt oder unbekannt. Es war mir eine große Hilfe, mich etwas Neuem zu öffnen. Ich war bereit, einen neuen Lebensstill auszuprobieren. Aber das reicht für heute. Über das neue Leben schreibe ich ein anderes Mal. Es regnet draußen, und ist daher ein wunderbarer Tag, im Haus herumzuwerken. Und die obigen Zeilen bieten genug zum Nachdenken und Verdauen. Nicht vergessen! Ein Schritt nach dem anderen!