Warum bin ich nicht satt wenn ich esse?
25. April 2008 von cfandemils
Das hat jemand heute als Suchfrage verwendet. Ich dachte nach, und mir fielen einige mögliche Erklärungen ein.
Weil ich:
- ganz etwas anderes will
- so schnell esse, dass ich es gar nicht schmecke/wahrnehme
- ein schlechtes Gewissen habe, weil ich etwas anderes essen „sollte“
- zu wenig esse, am Verhungern bin
- abgelenkt bin
- mehr will
- mich nicht wohl fühle
- Liebe will
- mich entspannen will
- müde bin
- einsam bin
- wütend bin
Oder ganz einfach: Mein Essverhalten ist so durcheinander, dass ich weder Hunger noch Sättigung wahrnehmen kann.
Natürlich hängt es davon ab, wie die Frage gemeint war – ob auf der körperlichen Ebene oder auf der psychischen. Ich kann satt sein, wenn meine Bedürfnisse und Wünsche befriedigt sind.
Das führt meine Gedanken zu meinen Wünschen. Was würde mich befriedigen? Als ich gesund wurde, lernte ich Dinge zu essen, die früher einen Fressanfall ausgelöst hätten. Das waren die verbotenen Früchte, die sündigen Speisen. Ich drehte den Spieß um. Anstatt sie als verbotene Früchte zu betrachten (na ja, sie waren eher süßer als Früchte), fragte ich mich, ob ich so etwas überhaupt wollte. Wenn ja, dann durfte ich es haben. Wenn etwas erlaubt ist, kann ich es viel eher genießen, als wenn ich dabei ein schlechtes Gewissen habe.
Der nächste Schritt war, zu erkennen, dass manche tolle Dinge mich im Moment gar nicht reizen. Nur weil etwas angeboten wird, heißt es nicht, dass ich es gerade haben will. So lernte ich „Nein, ich will nicht“ zu sagen, und es wirklich auch so zu meinen. Authentisch sollte man sein!
Das führte mich zur Erkenntnis, dass meine Bedürfnisse nicht vom Angebot abhängen. Plötzlich ging es nicht darum, sich mit dem zufrieden zu stellen, was da war – besonders dann, wenn ich nicht mal Lust darauf hatte. Es handelte sich hier nicht um Disziplin, sondern um meine Gefühle. So lernte ich mit der Zeit, auf meine Gefühle zu achten – sowohl die körperlichen wie auch die unsichtbaren. Wenn ich „Ja“ zu etwas Essbarem sage, dann nur weil ich Lust habe, und auch genügend Platz (im Bauch) vorhanden ist. Ich will keinen sehr vollen Bauch, denn dieses Gefühl ist sehr unangenehm für mich.
Das bringt mich zur Affirmation: Es gibt genug für mich. Es wird immer genug geben und es wird zur richtigen Zeit hier sein. Eigentlich gibt es mehr als genug, so darf ich wählerisch sein. Siehst du? Wenn du den Spieß umdrehst, geht es um Bedürfnisbefriedigung. Selbstkasteiung ist nicht nötig. Wenn diese nicht notwendig ist, dann erübrigt sich das schlechte Gewissen. Wenn das so ist, dann muss ich auch nicht mehr eine Duzend davon essen, während ich dabei schwöre, es nie wieder zu essen. Und ich muss gar nichts verschlingen, weil ich es ja genießen darf.
Das ist sehr einfach beschrieben, aber es steht ein langer Lernprozess dahinter. Viel Ehrlichkeit war notwendig, wie auch viel Übung. Aber – es funktioniert! Es funktioniert langfristig, und um das geht es beim Essen und Gesundwerden – für mich zumindest. Ich kann ja nur für mich sprechen, was ich für normal halte.
Mit der Zeit dehnte sich diese Denkweise aus, um viel mehr als nur das Essverhalten zu beinhalten. Will ich Gesellschaft? Will ich jetzt allein sein? Was will ich in dieser Beziehung? Was wird mir geboten? Reicht mir das? Ich glaube, ich kann gar nicht zufrieden sein bevor ich weiß, was ich will.
Es ist mir bewusst, dass ich etwas vom Thema abgekommen bin, aber vielleicht können dir diese Ideen weiterhelfen, falls du noch da bist.