Tja, ich bin noch etwas konfus vom Wochenende. (Ja, auch ohne Essstörung ist es manchmal möglich, im Kopf etwas daneben zu sein.) Das Gespräch mit der Freundin hat mich lange beschäftigt. Es ging um den Wunsch nach Veränderung — privat, beruflich, usw. Wir diskutierten Veränderungen die wir schon durchgezogen haben, und andere, die noch bevorstehen.
Sie möchte beruflich etwas anderes machen, und weiß es auch schon länger. Doch hat sie bisher nichts Konkretes unternommen. Sie hatte lange das Gefühl, fest zu stecken. In letzter Zeit beginnt sie, sich zu informieren, Möglichkeiten anzuschauen, und zieht eventuell auch einen damit verbundenen Ortswechsel in Erwägung.
Im Gespräch ging es darum, die Hemmschwellen zu überwinden. Zum Beispiel, irgendwo anzurufen und sich vorzustellen. Heute geht es aber noch viel leichter — du kannst ja ein Email schreiben. Das erlaubt dir Zeit, deine Worte zu formulieren, und ist irgendwie unverbindlicher. Wenn sie Interesse haben, schreiben sie zurück. Sonst kann der Empfänger das Mail einfach übersehen.
Sie fragt sich, ob sie Zeit verschwendet hat. Denn sie weiß schon seit ein paar Jahren, dass sie etwas anderes machen will. Wir kamen zu dem Schluß: Es braucht Zeit. In dieser Zeit ist kein Stillstand, sondern eine Entwicklung findet statt — wenn es noch so langsam vorwärts geht!
Lieber nicht sich mit anderen messen. Bei anderen Menschen sieht es manchmal so aus, als würden sie sich plötzlich für ganz etwas Neues entscheiden. Doch können wir in ihre Denkprozesse nicht hineinschauen. Wir wissen nicht, wie lange die Vorbereitungszeit war. Natürlich sind manche Leute spontan und treffen wichtige Entscheidungen über Nacht, aber ich glaube, das ist eher die Ausnahme.
Da fiel mir natürlich das Thema Beziehung & Trennung ein. Es war ein langer Prozess bis ich bereit war, Schritte zu setzen. Hätte ich es früher machen sollen? Es war früher nicht möglich, sonst hätte ich es wahrscheinlich gemacht.
Bei schwerwiegenden Entscheidungen kommt viel dazu: innere Einstellung, Bedürfnisse, Bereitschaft für Veränderung, das Umfeld. Jede Veränderung birgt ein Risiko mit sich. Es ist so. Auch wenn es ganz klar eine Verbesserung mit sich bringen könnte: Es ist noch fremd, nicht vertraut, macht unsicher.
Wir kamen zu dem Schluß, dass es ein Prozess ist. Es dauert so lange, wie es dauert. Fertig. Da muss ich nicht werten, ob ich zu früh oder zu spät handele. Ich handele dann, wenn es sich passend anfühlt. Das Ergebnis zeigt sich.
In diesem Prozess ist es wichtig, zu reflektieren: Was will ich? Was brauche ich? Was will ich verändern? Welche Möglichkeiten und Ressourcen habe ich? Was kann ich tun? Wo habe ich Unterstützung? Wo kann ich Unterstützung holen? Was muss ich bedenken?
Und wie es im Leben ist: Die Schritte kann ich setzen. Es kommt etwas in Bewegung. Aber auch dann habe ich nicht alles unter Kontrolle. Das Universum spielt bei der Entwicklung mit.
Wir rätselten noch, wie es so ist mit dem Universum. Wenn ich nichts tue, passiert auch etwas? (Im Sinne vom Schicksal.) Ich glaube schon. Ich glaube an das Leben und daran, dass alles zur passenden Zeit geschieht, d.h. wenn ich so weit bin. ABER: darüber kann ich nicht immer bestimmen! Es passieren unerwartete, unberechenbare Dinge. Sie sind Entwicklungsaufgaben, manchmal recht happige.
Essenz des Gesprächs: Schritte setzen, aber auch Geduld mit sich haben. Vertrauen, dass ich das Richtige zur passenden Zeit mache. Wenn Schritte gesetzt werden, dann kommt etwas in Bewegung. Sollte ich zu viel Angst davor haben, kann es hilfreich sein, diese Angst anzuschauen — vielleicht mit etwas Unterstützung. Ja, eigentlich ist es das, was mich heute beschäftigt hat.
Oh, da fällt mir noch etwas ein! Letzte Woche hatte ich den Gedanken: Hoffnung ist gut, aber Vorstellung ist besser. Damit meine ich: Wenn ich etwas ändern bzw. erreichen will, muss ich es mir vorstellen (können). Manchmal bringt allein die klare Vorstellung schon etwas in Bewegung! Ich habe es erlebt.