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Fortschritte

Seit der klaren Erkenntnis, dass ich besser auf meinen Schlaf und meine Ernährung schauen muss, geht es recht gut. Ich schaffe es, jeden Tag mindestens eine warme Mahlzeit zu mir zu nehmen. Gestern hatte ich die glorreiche Idee, die Katzen in der Nacht zu trennen — und siehe da, es war bis 4 Uhr wirklich Ruhe. Nach einer kurzen Pause, war nochmals Ruhe bis 7.30. Fast eine ganze Nacht! Das mache ich heute wieder.

Mit dem Essen ist es gar nicht so kompliziert. Es fehlt mir einfach an Übung. Mit den Jahren hatte ich meine Essgewohnheiten sehr auf meinen Mann abgestimmt, und irgendwie “vergessen” was ich gerne mag. Mit der neuen Wohnung kam Freude auf, da ich dachte: “Jetzt kann ich kochen und essen was ich will!” Doch fehlte mir die Ruhe und die Bereitschaft, mich damit auseinanderzusetzen. Alles andere war wichtiger.

Aber jetzt ist das Essen wichtig. Ich esse um zu leben und nicht umgekehrt, aber das Essen verdient doch etwas mehr Aufmerksamkeit. Am ersten Tag hatte ich noch geschnittenes Gemüse vom Vorabend übrig. Ich nahm eine Pfanne, etwas Olivenöl, gab das Gemüse dazu und in 5 bis 10 Minuten hatte ich schon einen Tellervoll warmes Gemüse. Brot mit Aufstrich waren auch übrig geblieben, also war das Essen komplett.

Gestern machte ich etwas Ähnliches, aber mit frischem Gemüse, und nahm noch ein vegetarisches “Fleish”laibchen dazu. Wunderbar! Heute noch einfacher: mit einem Bekannten Chinesisch essen gegangen. Es sind erst ein paar Tage, aber ich fühle mich wirklich schon besser.

Es ist verlockend, mich nur auf die emotionelle und spirituelle Bedürfnisse zu konzentrieren, aber die körperlichen Bedürfnisse sind genauso wichtig. Ich bin froh, dass das Essen eine eher unwichtige Rolle spielt in meinem Kopf, aber ich muss ihm einfach ein Bisschen mehr Platz im Alltag einräumen. Dann stimmt meine Energie wieder.

Ich werde eher nicht anfangen, aufwendig zu kochen. Dafür habe ich keine Zeit. Aber es gibt ganz einfache, gute Sachen, die nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen. Es klingt zwar altmodisch, aber da ist was dran: Eine warme Mahlzeit am Tag ist wichtig! Und jetzt ist der Tag um — Zeit zum Schlafen!

Eigentlich habe ich das alles schon längst hinter mich gebracht. Das Gewicht ist seit 20 Jahren ziemlich gleich. Nur als ich vor 5 Jahren aufs Land gezogen bin, da nahm ich 2 kg zu. Das war kein Problem. Es störte mich ein bisschen, aber ich dachte: “Es ist das Alter.”

Seit der Übersiedlung habe ich ein paar kg Gewicht “verloren” — wie man es im Englischen sagt. Die Aufregung, die Anstrengung, die fehlende bzw. neu-zu-entwickelnde Tagesstruktur führten dazu, dass ich unregelmäßig und wenig Nahrung zu mir genommen habe. Während der Übersiedlung, war ich zu beschäftigt, und wollte täglich möglichst viel erledigen. So wurde das Essen hinten angestellt.

Dann war es hektisch mit der Arbeit und mit der Familie. Die Kinder sind nicht immer zuhause zum Mittag, so denke ich oft: “Ach, dann koche ich erst am Abend etwas.” Oft kommt nichts zustande, weil wieder etwas anderes los ist.

Ich merke, dass die Hosen lockerer geworden sind. Und zu meiner Überraschung merkte ich ebenfalls, dass mir dieses weite Gefühl vertraut und angenehm ist. Als wäre der Dämon zurückgekehrt, dachte ich: “Oh, das ist fein. So möchte ich bleiben!”

Gestern bei der Arbeit stellte ich mich auf die Waage. Mir fehlen ein paar kg. So steht es schwarz auf weiß. Zum Glück war diese Woche schon von der Einsicht geprägt, dass ich ausreichend Schlaf und Nahrung brauche, um gut funktionieren zu können und die Geschenke des Universums erkennen und umsetzen zu können. Also nehme ich mir vor, dem Essen mehr Achtsamkeit zu schenken, und etwas Routine zu entwickeln.

Ich werde jetzt nicht ganz viel essen damit ich schnell wieder zunehme. Stattdessenn konzentriere ich mich darauf, mein Speiseplan zu ordnen und vertraue, dass das fehlende Gewicht bald wieder zurückkommen wird.

Ich gebe zu, ich war begeistert als ich merkte, dass ich die paar “Land-Kilos” abgenommen hatte und mein altes Gewicht wieder erreicht hatte. Aber jetzt, wo ich knapp drunter bin, muss ich etwas unternehmen. Abgesehen von Essstörungen, es ist ganz normal, unter Stress und großen Veränderung zuzunehmen.

Gestern hatte ich ein paar Freundinnen zum Abendessen bei mir eingeladen. Eine ist eine recht neue Bekanntschaft und weiß nichts von meiner gestörten Essensgeschichte. Ich erwähnte, dass ich abgenommen hatte, und sie meinte, das ist ja verständlich. Also denke ich, ich muss kein großes Problem daraus machen, sondern achtsamer mit mir umgehen und besser für mich sorgen. Basta!

Doch wurde mir klar, dass die Lust am Dünnsein noch immer irgendwo lauert, und möglicherweise die Gelegenheit nützen würde, sich breit zu machen, wenn ich mich darauf einlassen würde. Lieber nicht!

Die Beziehung und das Leben haben sich schon etwas entspannt, seit wir in die neue Wohnung gezogen sind. Lange Zeit kämpfte ich mit Schuldgefühlen und Trauer, weil ich so viele Fehler machte. Inzwischen ist es mir recht gut gelungen, loszulassen und einfach zu akzeptieren: Es war wie es war und es ist wie es ist.

Wie bei der Gesundung nach einer Krankheit — egal ob Grippe oder Bulimie, es dauert. Durch eine einzige — wenn auch magische — Veränderung, wird nicht alles von heute auf morgen besser. Es erfordert viel Geduld, Ausdauer und Feingefühl. Früher, weil so viel in der Beziehung nicht stimmte, versuchte ich einige Sachen durch Geduld und Großzügigkeit auszubessern. Da habe ich mehr erlaubt und toleriert als gut war. Das spüre ich jetzt.

Auch in dieser Beziehung geht es Schritt für Schritt. Meine Tochter war sehr eingeengt und betroffen durch die unglückliche, verspannte Beziehung ihrer Eltern. Auch sie entwickelte Bewältigungsmechanismen die nicht unbedingt positiv waren — aber sie funktionierten. Jetzt muss sie lernen wie es ist, wenn ich voll da bin und nicht mehr deprimiert und resigniert. Ich habe sie oft im Stich gelassen. Jetzt lernt sie erst, dass ich wirklich für sie da sein kann — auch wenn ich ihr nicht alles erlaube. Früher fiel es mir äußerst schwer, “Nein” zu sagen, weil sie mir so leid tat. Das war ein Riesenfehler.

Doch heute habe ich die Gelegenheit, einiges zu verändern. Mir ist gerade eingefallen, dass ich auch dieses Projekt über längere Zeit mit vielen kleinen Schritten angehen muss — wie es halt ist in der Erziehung (und im Leben). Kinder brauchen Halt und viele Wiederholungen.

Was sich am meisten ändert, ist dass ich jetzt authentisch bin. Ich kann dazu stehen, da ich weiß, es wird keiner dazwischen funken und etwas anders sagen. Je älter das Kind, umso schwieriger die Umerziehung, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Wichtig ist mir, dass ich nicht aus Mitleid, sondern aus Liebe handele — und dabei das große Bild vor Augen behalte. Hinzu kommt, die ganz normale Pubertät. Es ist eine Zeit, in der sie sich abgrenzt, sich selbst sucht, und das Eigene finden will. Sie lehnt Vieles an mir ab, da sie die eigene Person sein will.

Das bewundere ich, denn ich habe als Jugendliche genau damit Schwierigkeiten gehabt. Meine Mutter war mehr Freundin als Mutter, und ich habe mir sehr schwer getan, mich von ihr zu trennen. Ich hatte immer das Gefühl, sie braucht mich. Es wundert mich nicht, dass ich nach Europa ausgewandert bin — um zumindest eine geographische Distanz zu erreichen. Meine Mutter war einsam und depressiv, und sie hatte keine Freundinnen — außer mir.

Mangels Vorbild tat ich mir schwer, die Mutterrolle anzunehmen. Doch lerne ich dazu. Ich halte es aus, wenn meine Tochter mich hasst. Auch wenn sie sich für mich nicht interessiert. Das ist nicht immer so. Manchmal setzt sie sich zu mir und redet — und hört zu. Das sind schöne Momente.

Ich habe ihr viele Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt und aus verschiedenen Gründen (unabsichtlich, natürlich) ihre Selbständigkeit untergraben. Dann ärgere ich mich, dass sie so unselbständig ist! Ich möchte das Ziel vor Augen halten, und akzeptieren, dass es ein langer Prozess ist. Ich will nicht aufgeben, wenn sie heute (meiner Meinung nach) unmöglich ist.

Ich stehe zu ihr und liebe sie. Was auch immer noch kommt, ich nehme das als Teil der Entwicklung an. Manchmal tröste ich mich mit der Erkenntnis, dass ich in dem Alter schlimmer war. Die Hoffnungen und Erwartungen einer Mutter sind halt groß. Ich will nur das Beste für sie und es schmerzt mich manchmal, zuzusehen, wie sie ihren Weg geht. Aber das gehört auch dazu — loslassen und diesen Menschen ihren Weg gehen lassen, mit allen Hochs und Tiefs.

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