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Ich muss gleich zur Arbeit düsen, aber mir fiel gerade etwas ein, was ich fast vergessen hatte. Das Universum/Gott gibt mir nur so viel, das ich bewältigen kann. Also, auch wenn ich meine, es wird mir zuviel, jemand anderer weiß es besser. Das heißt, ich konzentriere mich heute darauf, mein Vertrauen zu stärken und errinere mich daran, dass ich das sehr wohl schaffen werde.

Es muss nicht alles heute geregelt werden und es darf ganz viel in der Schwebe sein. Stück für Stück erledige ich Dinge, dann wird diese Wolke immer kleiner. Irgendwann wird dann die Sonne durchscheinen — bis die nächste Regenwolke durchzieht.

Durchhalten!

Schwer und mühsam ist die Zeit. Ich fühle mich unglaublich träge. Es liegt in der Luft. Ich habe mit einigen Freundinnen gesprochen, und es geht ihnen auch so.

Was tun, wenn es so mühsam ist? Durchhalten, aber mit Ressourcen! Wie meine ich das? Ich rufe Freunde an. Ich rede mit ihnen. Ich geh hinaus eine Runde spazieren und tanke Sonne. Ich bete. Ich erlaube mir, dass ich schlicht und einfach nicht gerade fit bin. Es ist so.

Auch diese düstere Zeit wird vorbei gehen. Anscheinend sind die Planeten derzeit auch nicht gerade günstig. Aber ich habe schon Schlimmeres erlebt und bin damit fertig geworden.

Ich akzeptiere, dass mein Energiepegel recht tief gesunken ist. Daher dauern manche Tätigkeiten einfach länger, also stelle ich mich darauf ein. Am liebsten habe ich es, wenn alles fließt, wenn alles leicht von der Hand geht. Die Zeit kommt bestimmt wieder.

Vor dem Spaziergang esse ich noch eine Kürbiscreme Suppe. Die ist leicht zu machen, schmeckt gut, und erinnert mich an die schöne Seite dieser Tage. Es gibt viel Kürbis!

Diese Betrachtungsweise hilft mir, geduldig zu sein. Und dankbar. Ich bin dankbar für die Sachen, die mir dennoch gelingen. Ich bin dankbar für meine Freundinnen. Und ich bin dankbar für Kleinigkeiten — ein Lächeln von dem sonst grantigen Nachbarn, die Jasminpflanze am Balkon blüht wieder kräftig, wunderschönes buntes Laub liegt überall auf Straßen und Gehsteige verstreut und leuchtet in der Sonne, die Katze sucht meine Nähe (und ich ihre!). Es gibt auch ein paar Ziele, die in den nächsten Wochen erreicht werden — so oder so. Das gibt mir Hoffnung. Ich schnaufe tief durch und gehe weiter.

All die Seelen

Es ist die Jahreszeit, in der die Grenze zwischen den Welten der Lebenden und den Verstorbenen am durchlässigsten ist. Allerheiligen und Allerseelen stimmen mich meistens nachdenklich, wenn nicht sogar traurig.

Meine Gedanken wandern eigenständig zu den lieben Leuten, die nicht mehr in meiner Welt leben, die ich vermisse. Das ist einfach so. In diesen Tagen bin ich sehnsüchtig-melancholisch unterwegs. Heuer ist es ein bisschen anders. Da wandern meine Gedanken auch zu den Leuten, die durchaus noch in dieser Welt leben, aber in meinem Leben nicht mehr so präsent sind.

Gestern Nachmittag habe ich bis 18 Uhr arbeiten müssen (dürfen). Ich traute mich nicht, zu unserem alljährlichen Familientreffen zu gehen. Jedes Jahr gehen alle gemeinsam auf den Friedhof und dann setzen wir uns zusammen für Kaffee und Kuchen, was meistens dann in Wein und eine Jause übergeht. Es kann recht spät werden. Jedes Jahr wechseln wir uns ab, und heuer hat mir keiner was gesagt.

Kurz davor erfuhr ich wo sie sich treffen würden, aber ich war nicht in Stimmung, einfach hin zu gehen — was ich bei manchem Anlass (z.B. Geburtstag) durchaus mache. Es war anders. Einerseits war ich leicht gekränkt, andererseits wurde mir bewusst, dass es eine Art Abschied ist — von meinem früheren Leben.

Vielschichtig unterwegs wie immer, es zeichnet sich die Veränderung in meinem Leben ab. Trennung und Abschied. Vor einem halben Jahr bin ich für eine zeitlich nicht-definierte Auszeit in eine neue Wohnung eingezogen. Für die meisten Menschen wird das als Schlussstrich gedeutet. Vielleicht ist es das auch, aber ich will es gar nicht wahrhaben. Momentan ist mir nicht so klar, was ich will, aber ich bin zuversichtlich, es wird sich mit der Zeit zeigen.

Es ist halt so: Ich habe mich bewusst für diese Veränderung entschieden, aber es kommen immer wieder neue Aspekte hinzu, die ich vorher nicht überlegt hatte bzw. die mir nicht bewusst waren. Nein, ich beklage mich nicht, und jammere auch nicht. Ich glaube, ich nehme sie einfach zur Kenntnis.

Tja, welche schwierige Entscheidung treffe ich, bei der ich von vornherein alles weiß? Früher habe ich mir eingebildet, ich könnte das machen. Deshalb traf ich kaum eine Entscheidung — weil mir ständig neue, mögliche Auswirkungen in den Sinn kamen. Ich kann nicht vorher alles wissen. Nein, ich treffe Entscheidungen mit meinem jeweiligen Wissen. Die Konsequenzen kommen ganz von selbst. Es liegt an mir, damit fertig zu werden. Tut mir leid, wenn das alles etwas düster klingt. Es ist überhaupt nicht so gemeint.

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