Manchmal habe ich noch immer die Gewohnheit, einfach wegzuschauen wenn eine Schwierigkeit im Wege steht. Ich fürchte mich vor manchen Problemen, aber das heißt nicht, dass sie dadurch kleiner werden. Im Gegenteil, oft wachsen sie und nehmen viel Platz ein, ohne dass ich nach einer Lösung suche. Das kostet viel Kraft und Energie.
In letzter Zeit, bin ich etwas kreativer geworden. Anstatt zu ignorieren, suche ich nach einer Lösung, mit der ich gut weitermachen kann. Jedes Problem hat nicht nur eine Lösung. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn ich mich nicht traue, etwas direkt anzusprechen, bin ich offen — und entdecke eine andere Möglichkeit.
Natürlich bin ich am Weg der Weiterentwicklung und lerne dabei, die Dinge klar anzugehen. Aber es gelingt mir nicht immer. Auch hier geht es um Übung. Je mehr Erfolgserlebnisse, umso mutiger werde ich.
Eine ganz wichtige Ressource sind andere Menschen. Sie sind überall und recht hilfsbereit. Oft kommen Lösungsideen ganz unerwartet, nur weil ich etwas anspreche. Im Gespräch wird so manches klar.
Momentan ist das eine neue Entwicklung. Bisher habe ich alleine gelitten — und meine Probleme möglichst alleine gelöst. Erst danach erzählte ich einer Freundin davon. Ich wollte mich niemandem zumuten. Jetzt spreche ich es an. Nein, das heißt nicht, dass ich dauernd jammere. Das ist wieder etwas Anderes.
Ich merke es auch von der anderen Seite. Einer Freundin geht es schon seit einigen Wochen nicht besonders gut. Bei ihr kommt viel hoch — Erkenntnisse, Erinnerungen von früher, Schamgefühle, Trauer — die ganze Palette. Ich rufe sie an und frage nach, weil sie mir nicht egal ist. Weil ich merke, dass sie Unterstützung braucht. Sie muss sowieso alleine durch. Das kann ihr niemand abnehmen. Aber zuhören und ihr Gelegenheit geben, im Gespräch Klarheit für sich zu finden, das kann ich.
Sie entschuldigt sich, dass sie keine gute Gesprächspartnerin ist. Sie leidet darunter, dass sie sich nach außen nicht so positiv präsentieren kann wie sie möchte — und wie sie meint, von ihr erwartet wird. Ich habe ihr gesagt, dass ich für sie da bin. Ich habe auch gesagt, dass ich sie nicht anrufe damit sie mir eine gute Unterhaltung bietet. Ich rufe sie an weil ich weiß, dass es ihr momentan nicht gut geht. Sie lacht mit Erleichterung. Es wird schon!